Day 24 - Rubha Hunish (23. Juni)

Als ich beim Loggen der in Glenelg gefundenen Caches lag, das jemand Minkwale bei Rubha Hunish gesehen hatte, war das Ziel des heutigen Tages klar. Zumal das Wetter auch gut ausschaute. Rubha Hunish ist der nördlichste Punkt von Skye. Das hiess längere Anfahrt wenn man in Strathaird ist. Auf nach Broadford und dann die A87 nach Portree. An der Gabelung vor dem Ortszentrum fuhr ich nach links und wählte die Route via Uig.

Da ich nach dem Frühstück noch ordentlich gebummelt hatte war ich erst gegen frühen Mittag an den Klippen. An den Parkplatz war jede MEnge los und wieso waren Ruinen ausgeschildert, Duntulm Castle? Mmh, ich war wohl falsch. Also nochmal losfahren und den nächsten Parkplatz ansteuern. Das sah schon mehr nach Kap aus. Leider liess mich die Wanderkarte im Stich, ausgerechnet Rubha Hunisch war abgeschnitten. Tolle Wanderkarte für den Norden von Skye.

Also so los und auf dem Pfad einen Wanderer mit Riesenrucksack angesprochen ob das denn der Weg nach Rubha Hunish sei. Mein English war so eindeutig das die folgende Unterhaltung schnell auf deutsch weitergeführt wurde. Im Verlaufe des Gespräches stellte sich heraus wie klein die Welt des WWW ist. Der Wanderer hatte seine Informationen und Tipps zu Schottland aus einem kleinem Forum deutscher Schottenverrückter erhalten. Zufällig bin ich in diesem auch gemeldet. So konnte man sich auch gleich mit richtigen Namen anreden. Wir kamen bald an den Klippen oberhalb von Rubha Hunish an. Unten, auf dem Wasser war ein RIB unterwegs und irgendwas wurde wohl gesichtet, aber von der Höhe konnte ich nicht ausmachen was es war. Wir klettern also die Klippen runter. 80m betrug der Höhenunterschied. Gero mit grossen Rucksack und ich mit leicht protestierenden Knien.

Am Rand der Klippen liessen wir uns zu einer längeren Pause wieder und dann sah ich es. Einen Delphin oder einen Wal. Nur kurz, dann war es wieder weg. Zu kurz als das Gero es hätte sehen können. Aber egal. War einfach toll da zu sitzen und die Aussicht zu geniessen. Und dann tauchte der Wal (ja, es war einer) wieder auf. 4 Mal und dann verschwand er wieder. Nach einigen Minuten wieder. 4Mal auftauchen im Abstand von einigen Sekunden um dann mehrere Minuten zu verschwinden. Er kam den Klippen so nah, das ich ihn zum Schluss beim Auftauchen hörte und dann erst sah. Gero wollte mir das erst nicht glauben, bis er das gleiche Erlebnis hatte.

Es war ein Minkwal der vor uns auf Futtersuche war. Es ist der kleinste Bartenwal den es gibt und es sind Einzelgänger. Ansonsten sahen wir einiges an Seevögeln. Auch die, die ich so toll finde, die Basstölpel. Sie flogen so nah an uns vorbei, das man ihre schöne rauchige Zeichnung am Kopf erkennen konnte.

Ich erzählte Gero von meinem Vorhaben für den nächsten Tag: Early Bird zum Loch Coruisk und dann nach Elgol laufen. Das wollte er auch. Nur war der Nachmittag schon gut vorangeschritten, wollten wir für ihn noch ein Ticket buchen sollten wir uns langsam auf den Weg machen. Aber erstmal die Klippen hoch. Das war reines Scrambling, konnte mich garnicht dran erinnern, das der Weg so steil war. Dabei war es doch Gero, der da mit grossen und schweren Rucksack hochmusste. Bevor es zum Auto ging, aber erst noch weiter die Klippen hoch bis zu einer Beobachtungsstation bis es mit Gasfuss nach Elgol ging.

Wir kamen Tatsache noch vor Büroschluss von Bella Jane Boat Trips an. Mein Fuss stand aber so gut auf dem Gaspedal das ich leicht am Zittern war vor Adrenalin. Im Büro waren noch Leslie und Alex. Für Gero fand sich noch ein Platz auf dem Early Bird. Blieb noch das Problem das er kein Platz für die Nacht hatte. Also die beiden Locals gefragt was ihnen so an B&B einfällt. Das führte dazu das Alex zum Telefon griff und Leslie ihm die Nummern ansagte. Zuerst meine Unterkunft, Rowan Cottage, dann Rose Croft, House Coruisk usw.. Ich unterhielt mich derweil mit Leslie, während Alex darauf wartete das jemand ans Telefon ging. Leslie und ich schon tierisch am Lachen, weil sie sich als Telefonbuch bezeichnete. Dann kam ein Anruf im Büro an. Ich hörte nur wie Alex sagte "Just one person" ..... "A friend of Kirsten" .... Er schaute mich an, meinte es wäre Christine von Rowan Cottage und ob ich ein Problem hätte, wenn ich mein Zimmer teilen würde. Ich schaute Gero an, er zuckte mit den Schultern. "No problem". "Ok, you are welcome". Äh, das ist jetzt nicht wirklich passiert, oder doch? Na zumindest hatte ich eine Begleitung für das morgige Vorhaben.

Nachdem Gero bei Christine und Jim vorstellig geworden ist und Gepäck abgeladen hat, ging es nochmal nach Broadford. Schon zigmal dran vorbeigefahren (zwangsweise) wurde endlich mal die Hotelbar geentert, was sich aber eher als Pub herausstellte: ein paar Tische, gemütliche Sofaecke mit grossen Flatscreen an der Wand und Pooltisch. Essen war auch lecker.

Bevor es nach Glasnakille zur Nachtruhe ging, wurde aber erst nochmal ein Spazierging in Elgol unternommen und die ersten bzw. morgigen letzten Meter des Cliffpaths gelaufen. Auf den Rückweg schauten wir noch zwei Männern zu, die die Aufgabe hatten Lämmer zu markieren und zu impfen. Dazu wurde die ganze Gruppe Muttertiere mit Lämmern in eine Ecke eine kleinen Weide gedrängt, ein Mann stand am Zaun, der andere zwischen den Schafen und musste dann ein Lamm nach dem anderen fangen. Das wurde über den Zaun gereicht bzw. auf den Zaun gepackt, unter sehr viel Protestgeschrei, bekam nen Farbtupfer und ne verdammt grosse Spritze und wurde dann auf die Wiese entlassen, wo sie in die entlegenste Ecke sausten zu den anderen Leidensgenossen. Als alle Lämmer abgefertigt waren, wurden die Mutterschafe freigelassen. Unter lautem Geblöke und Geschrei fanden sich die Mutter-Kind-Paare dann wieder zusammen. Das war dann nicht so ganz das idyllische Bild der schottischen Wollknäuel, aber auch das gehört numal dazu.

Ein Versuch einen Minkwal auf Kamera-Chip zu bannen