Day 28 - Barrisdale Bay (27. Juni)

Entschleunigt. Das Gefühl geben mir nicht nur meine Füsse im Moment, mein Körper morgens wenn der Wecker klingelt, sondern auch die aktuelle Unterkunft. Um 11Uhr abends geht das Licht aus, denn dann wird der Generator zur Nachtruhe geschickt. Wasser sparen muss man nicht, ausser man will es trinken. Aus dem Hahn kommt kein Trinkwasser, es wird ausdrücklich darauf hingewiesen es nichtmal zum Zähneputzen zu verwenden.

Kinlochhourn hat einen kleinen Tea Room, der morgens auch der Frühstücksraum der B&B ist.

Zwei Tage am Ende des Lochs waren vorgesehen, um ein wenig zu cachen. Eigentlich mit Fahrrad. Aber das schlug ich mir ganz schnell aus dem Kopf angesichts des Strassenverlaufs. Einmal Killin / Kenmore reichten mir. Dann heute erstmal die kleine Reihe am Ende der Strasse und darüber hinaus. Wenn die Füsse soweit tragen sind es 7 Meilen bis Barisdale Bay, Zwischenstopp des Landweges nach Inverie/Knoydart.

Geschnürt wurden nach dem Frühstück (mal wieder nur ne Schüssel gesüsste Cerealien sowie Toast mit 2 gekochten Eiern), die Schuhe die bei ihrem letzten (und einzigen) langen Marsch in den Highlands für ordentlich Blasen gesorgt haben und schon auf den ersten Schritten weh taten. Den Blasen sollte ich mit der Zweisockentaktik vorbeugen und den Schmerzen, das die Schuhe jetzt hoffentlich so langsam eingelaufen sind.

Auf dem Weg zum Auto nochmal Pferdchen streicheln. Das steht da, als ob es auf den Bus wartet. Dabei ist nur der Generatorauspuff in der Nähe und vertreibt die Insekten. Das Pferd ist nicht doof. Nur höchstwahrscheinlich taub.

Laut dem Warden von Tearoom und B&B gehts die erste Meile flach und danach hoch und runter, aber immer schön die Küste sprich den Loch lang. Die beiden anderen Gäste von gestern nacht hatten recht. Der Weg ist ein Bach. Weil es aber gestern abend aufgehört hatte zu regnen, fehlte der Nachschub und so schnell wie die Wassermassen kamen so schnell waren sie auch wieder weg. Herausforderung war der Weg trotzdem. Er war in seiner Beschaffenheit nunmal ein Bachbett. Sehr schmal und meist viele grössere und kleinere Kiesel, ab und an blanker Fels, nur sehr selten Modder.
Meist waren Heide und Farn gut kniehoch, konnte aber auch bis Hüfthöhe gehen. Mmh, bei der Enge des Weges wird man doch bestimmt zum Zeckentaxi.

8 Caches lagen auf dem Weg, davon setzte einer das Finden von 5 anderen voraus. Den nahm ich mir für den Rückweg vor. Der vorletzte auf den Hinweg war nicht nötig. Zum Glück. Versucht habe ich ihn trotzdem was zu einer sehr nahen Begegnung mit einer Maus unter einer Brücke führte während ich an einem Stahlträger hangelte und auf Steinen an einem tiefen Bach balancierte. Ich glaube seit den Bad Steps schreckt mich nichts mehr.

Nicht fündig geworden gings weiter. Eine nette Steigung hoch zum letzten Cache. Warum schrillten meine Alarmglocken eigentlich nicht vorher? Der Name des Caches verriet doch schon, das es steil aufwärts geht: Phew, What a view! Yepp. Puh, was für eine Aussicht.

Bis zu diesem Anstieg waren es allerdings zwei Meilen. Von hoch und runter auf der Meile davor kann keine Rede sein. Die Aussicht war toll, leider auch die auf den nächsten Anstieg. Wieder fast runter bis zum Loch und gleich wieder hoch. Beide Male nur knapp über 100Höhenmeter, aber die in ziemlich kurzer Distanz. Vom zweiten Hügel bis nach Barrisdale waren es gut 6km laut GPS Routenberechnung. Ja, das geht auch im Niemandsland. Der Pfad war auf der Karte und als unbefestigte Strasse eingestuft, damit konnte das GPS rechnen. Der weitere Weg schien von den Höhenlinien her harmlos, nur kurz vor Barrisdale nochmal etwas über 50m in die Höhe.

Das bisserl auf und ab dazwischen war nicht der Rede wert und konnte durchaus als eben bezeichnet werden. Die grössere Herausforderung war über die Bachläufe zu kommen. Auf den ganzen Weg gibt es nur zwei Brücken. Ansonsten muss man auf Stepping Stones, Trittsicherheit und Weitsprung vertrauen. Trotz diverser Möglichkeiten, ich blieb immer trockenen Fusses.

Beim letzten kleinen Anstieg, den mit den 50m, musste ich das GPS hervorholen, ausrichten, aus der Karte rauszoomen und feststellen, das ich mich in dem was ich am Horizont sah nicht getäuscht habe. Ich sah die Black Cuillins. Die Gipfel ein wenig von Wolken verhangen, aber sie waren es wirklich.
Hügel runter und ich befand mich auf einen Rover Track. Barrisdale Bay war erreicht, aber ich wollte noch zur Bothy. Am Strand sah ich die ersten Menschen seit Stunden, besser gesagt im Wasser. Zwei Schwimmer. Ok, sie trugen Neoprenanzüge.

Vorbei an Barrisdale Lodge, noch einem Haus und ich näherte mich einen besseren Schuppen. Es war die Bothy. Und was mich noch mehr erstaunte, sie hatte nicht nur fliessendes Wasser, sondern auch ne Toilette. Ich war gerettet. Auf dem Weg bis dahin war es mit einem Abstecher in die Büsche nichts und somit auch nicht auf den Rückweg. Heruntergekommen, aber sauber. Was will man mehr?

Kurz noch im Bothy-Buch verewigt, den letzten halben Liter Wasser in die Hand und gute 11km wieder zurück. Die beiden Schwimmer waren mit ihren Runden fertig und ich auch als es den ersten kleinen Anstieg hochging. Der sah von unten nicht nur viel höher aus als von der anderen Seite, auch die Füsse beschwerten sich. Das wird doch nicht etwa heftige Blasen geben? 10 Kilometer die Zähne zusammenbeissen wird hart.

Zum Glück taten nur die blasengefährdeten Stellen an den Fersen weh bzw. die Stellen, wo es vor wenigen Wochen nach der Drei-Munro-Tour zu Blasen kam und auch nur auf den Weg nach oben. Runter zu war alles in Ordnung.

Bis auf ein Päarchen was bis zum zweiten Anstieg lief hatten seit heute morgen nur 2 Menschen und ein Hund den Weg auf sich genommen. Jetzt kamen mir innerhalb von 3 Minuten 2 Männer, einer davon mit Hund entgegen. Definitiv keine Tagesausflügler wie ich. Sie trugen volles Gepäck inkl. Zelt, Schlafsack und Iso-Matte.

Nach zwei Dritteln des Gesamtweges musste ich die Regenjacke rausholen und dafür die Kameras im Rucksack verstauen. Es schien sich einzuregnen. Selber merkte ich es nicht, aber auf dem Wasser sah man die Vielzahl der Tropfen. Leider war es ziemlich warm und es blies kaum Wind. Da kommt man ja noch mehr ins Schwitzen.

Das Wetter hatte Erbarmen, nach ein paar Minuten hörte das Getröpfel auf und ich konnte die Jacke an den Rucksack knoten. Da kamen auch schon die nächsten Wanderer. Diesmal eine Gruppe von 6 Männern.

Wenn die alle zur Bothy wollen, dann wird es da heute voll. Denn ein Bett war schon mit Rucksack belegt. Wären noch 7 frei gewesen, wenn ich richtig gezählt habe. Zelten darf man allerdings auch. Wer zu spät kommt, darf nicht nur zelten, sondern muss zelten oder weitere 8 Meilen bis Inverie.

Ich hatte da noch 5Meilen nach Kinlochhourn vor mir inkl. der beiden Anstiege. Der erste von Beiden liess mich im Gedächtnis kramen. Ich schaute den Hang hoch und sah ein Baumgerippe. Der Hang war ziemlich hoch und führte der Weg nicht sehr nah an dem Baum vorbei? Welcher Weg überhaupt? Da war doch nur Farn und Heide.

Immer schön auf die Füsse guggen und wo man hintritt, dann ist man ziemlich schnell am Baum. Der Dämpfer kommt dann, wenn man kurz davor ist, den Weg nach unten anzutreten und den nächsten Anstieg sieht und den kleinen Felsen obenauf. Autsch, meine Füsse. Der Anstieg zog sich. Der Anblick von oben war immer noch toll, nur leider war das Ende vom Loch noch nicht sichtbar. Aber wenigstens ging es jetzt nur noch ein Stück runter und dann nur noch quasi gradeaus. Dachte ich. Mir war auf dem Hinweg so. Aber jetzt gab es doch noch die ein oder andere kleine Steigung.

An der letzten Brücke wurde nochmal Halt gemacht und ich setzte erstmalig meine Kopflampe ein. Noch einmal kletterte ich unter die Brücke und unternahm den Versuch den Cache zu finden. Leider wieder vergeblich, trotz der besseren, weil künstlichen Lichtverhältnisse. Warum mir angesichts der sehr rostigen Stahlträger, mir fiel ständig beim Umgreifen der Hände Rost ins Gesicht und auf den Kopf, nicht mulmig wurde als ich über die Brücke bin, weiss ich nicht. Brücken mit solchem Unterbau sind mir doch sonst nicht geheuer.

Noch einmal ganz nah am Wasser lang, über Felsen statt einem echten Pfad folgen, nochmal ein Wandererpaar passiert und mal kurz in die Botnik, den letzten Cache heben.
Eine weitere Ecke knapp über den Wasser, um den letzten Felsen rum und ich war wieder am Zaun, der die Schafe von Ausflügen abhalten sollte. Ein paar Meter weiter und das Ende der Strasse war erreicht. Das Ende der Zusammenarbeit mit meinen Füssen allerdings auch. Aber einen knappen Kilometer mussten sie noch aushalten, erst dann war ich wieder am Parkplatz und fotografierte einen Hirsch. Der scherte sich überhaupt nicht drum, das wenige Meter entfernt zwei weitere Wanderer sich fertig machten oder das ich schweren Schrittes zum Auto tapperte. Der guggte nichtmal. Der graste auf der andere Seite des Zaunes vor sich hin als ob es ein Wildgehege wäre und ständig Menschen drumrum wären.

Den beiden Wanderern musste ich dann erstmal meine Zählung übermitteln als sie mitteilten das sie zur Bothy nach Barrisdale wollten. Sie machten das Dutzend voll was sich auf diesen Pfad befand.

Bestandsaufnahme am Auto ergab zwar zwei schmerzende Fusssohlen und ein paar schmerzende, aber keine neuen Blasen. Weil die Tür zwischen Tearoom und dem Zugang zur B&B den grösseren Dickkopf hatte und ich annahm sie sei verschlossen, kam ich dazu mal den Hintereingang zu testen. Gestern sollte ich da abschliessen, was sich aufgrund der späteren Gäste erledigte, aber ich wusste dadurch, das ich einen weiteren Zugang hatte.

Zeckenkontrolle war leider erfolgreich. Ein kleines Mistvieh an der Hüfte und der Zeckenentfernungshaken brauchte mehrere Anläufe. Wo ist das Desinfektionsspray? Nochmal zum Auto. Da ist es nicht. Mist. Auf dem Rückweg bin ich der Toast- und Eierlieferung begegnet. Mein Frühstück ist gesichert.

Nochmal den Hintereingang hoch, Buch geschnappt und in den Tearoom. Oh, Tür ist ja doch offen. Cheeseburger zum Abendbrot. Weil ich mir den Weg zum Auto sparen wollte, um meine Vorräte zu holen. Aber ich musste dann doch nochmal los. Fön holen. Auf dem Rückweg Joe, dem Warden, Bescheid geben und fragen ob das überhaupt geht wegen dem Generator. Ja, das geht. Er schaltet nur auf den anderen um. So wurde es mal kurz dunkel als ich im Bad war.

Wie man sich die Haare mit Messbecher wäscht konnte ich letztes Jahr ja schon in Cnoc Ban üben. Diesmal gings noch ein Stück weiter. Duschen mit 1,5l Becher. Man muss ja kein Vollbad nehmen. Weniger als 15l hab ich somit für die Vollwäsche gebraucht. Für nen Städter ohne Übung in solchen Bädern mit etwas überschulterlangen Haaren nicht schlecht.
Noch schnell fönen, mit halber Kraft und der Generator kann wieder umgestöpselt werden.
Der Standardgenerator macht auch gleich viel dunkleres Licht und ab und an wird es noch dunkler, vermutlich wenn Joe unten Wasserkocher oder so anschmeisst.

Würden meine Füsse nicht so weh tun, dann würde ich jetzt rausgehen, Richtung Loch laufen und schauen ob man Sonnenuntergang guggen kann. Da mir aber schon der Weg zum Schränkchen wo die Cola und das Glas stehen zuweit ist und ich froh bin, das gleich neben dem Bett noch eine halbvolle Wasserflasche steht, werde ich bestimmt nicht das Zimmer verlassen. (das ist blöd, direkt hinter der Wand am Kopfende des Bettes ist ein Bad mit WC, die Tür in dem Flur dahin ist gleich neben mir und wird zudem von meinen Zimmer aus abgeschlossen, aber "mein" Bad ist zur anderen Tür raus und ne Etage tiefer)

Ein paar Fotos von einem langen Weg