Grandioser Spass bei schlechten Wetter

Seit nun mehr 4 Jahren kenn ich die Touren mit AquaXplore und Bella Jane. Es gab diverse herrliche und aufregende Momente, aber heute war der absolute Oberhammer.

Früh am Morgen ging es los Richtung Elgol, wo ich ankam bevor die RIBs für den Tag betankt und für den Early Bird geboarded wurde. Gebucht hatte ich schon einige Tage vorher, eigentlich wollte ich nach Eigg, die Tour nach Canna&Rum würde aber auch in Ordnung sein, auch wenn die Saison der Puffins und Co. vorbei war. Während der Buchung war noch nicht klar wo es hingehen wird, da noch zu wenige andere Anfragen im Buch standen.

Als es Zeit wurde sich für die Tour fertig zu machen, die letztendlich nach Canna gehen sollte, zog ich erstmal mein Cag vom Kajaken über. Wind- und wasserfest, auch an den Bündchen und somit dann doch einiges wärmer als die Kleidung vom AquaXplore. Die Jacke kam aber auch noch drüber.

Oh, nein. Was das denn? Der Brillenbügel war wieder gebrochen. An der Stelle die leidlich repariert wurden ist. Weil die Brille nach der Reparatur nicht so ganz fest hinter dem Ohr klemmte, hatte ich wieder das Nylonband übergezogen, weil die Fahrt mit dem RIB kann hoppelig werden, da wollte ich kein Risiko eingehen. Aber schon der schwache Zug reichte aus, um auch das Plastik des Bügels durchzubrechen, das wurde durch die Reparaturmassnahmen geschwächt. Glücklicherweise gabs im Bella Jane Office Tape, es musste zwar erst gefunden werden, aber dann konnte Gavin mir die Brille zusammenflicken, ich sah für die Fummelei zu wenig. Jetzt konnte es losgehen.

Gavin war der Skipper für die Patricia Ann, begleitet wurde er von Richard, der den Guide gab und schonmal demonstrierte wie man korrekt im Boot sitzt. Ich nahm in der von mir bevorzugten letzten Reihe Platz, auch wenn es da etwas nasser werden kann, aber ich finde da sieht man mehr und es ist etwas ruhiger. Neben mir ein junges Päarchen. Die Idee für den Ausflug stammte von ihm, sie war überhaupt nicht begeistert und ein wenig ängstlich. Oh je und das wo heute etwas Wind und Wellengang herrschte. Gavin wurde vorgewarnt, zumal vorne auch noch ein kleines Kind sass.

Für die Wetterverhältnisse sorgte Gavin für einen wirklich ruhigen Ritt und wählte zudem die Tour durch den Soay Sound so das es etwas Windschatten gab. Die kleinen Kurveneinlagen fielen sehr sachte aus. Das Mädel neben mir hielt sich tapfer und wurde gut umsorgt.

Kurz nachdem Soay hinter uns lag der erste kleine Stopp zur Erklärung der umliegenden Inseln. Eigentlich. Richard stand zwischen den Passagieren und wollte zur Rede ansetzen als Gavin die Aussicht mit "Fifty Shades of Grey" kommentierte. Fifty? Bei besten Willen kam ich auf 5. Wie sie sehen, sehen sie nichts! Kann passieren, netterweise war es wirklich nur Nebel und ganz leichter Niesel, hätt auch ganz anders kommen können. Weiter ging es Richtung Canna, die Nebel- und Nieselbänke zogen weiter so das man nun die Inseln sehen konnte. Und Porpoises. Zumindest meinte Gavin welche gesehen zu haben und hielt deswegen das Boot an. Aber nichts (mehr) zu sehen, dafür hörten wir Walgesang? Gavin, Richard und ich wechselten fragende Blicke und suchten nach der Quelle für das Geräusch.
Das kleine Mädchen ganz vorne weinte. Doch die Eltern waren bestens entspannt und sagten das wäre kein Problem, es könne weitergehen. Eine andere Wahl gab es eh nicht mehr, doch wenn die Eltern entspannt sind, dann ist das schonmal hilfreich.

Auch wenn kaum noch Seevögel in den Klippen sind, so wurden die Klippen von Canna trotzdem angefahren. Beeindruckend sind sie allemal. Mit all den Seevögeln drumherum ist mir früher z.B. nie aufgefallen, das auf den Seastack ein Felsen liegt, der jederzeit herunterrollen könnte, es aber (noch) nicht tut. Einen Vogel sichteten wir dann doch, gut mehrere, aber das war der Grösste und mit am seltesten zu sehen: einen White Tail Eagle, einen Seeadler. Am Rand der Klippen zog er hoch über unseren Köpfen ruhig seine Kreise.



Gavin steuerte das Boot in den Arch zum Echotest, interessanter waren aber die vielen Quallen im Wasser. Was ich anfangs für Algen hielt, losgerissen durch den Wind und Flut, waren Miniquallen. Sind Quallen lebendgebärend? Zumindest einige Arten? Tausende von winzigen Quallen waren an der Oberfläche, etwas tiefer sahen wir aber auch adulte (wenn auch eher kleinere) Exemplare von Löwenmähnenquallen. Aktuell scheint es eine Qualleninvasion an der schottischen Westküste zu geben, nach einem kühlen Frühling, kam der Sommer mit Kraft und heizte das Wasser auf was für ordentlich Plankton sorgte und damit für Nahrung für die Quallen.

Weiter ging es Richtung Canna Harbour, doch zuvor noch ein kleiner Halt mit Geschichtsstunde von Richard bei den Überresten des alten Wachturms. Bevor Kurs zu den Seehundfelsen genommen wurde, war Pause auf Canna angesagt. Leider gibt es den Tearoom seit dem Frühjahr nicht mehr, nur noch ein kleiner Imbiss mit Selbstbedienung und Honestly Box im kleinen Shop an der Pier. Ein Boot und der Bestand an Kuchen sowie Heissgetränken ist aus.

Der Regen war von dannen gezogen, die Sonne lukte ein wenig hervor und man sass plaudernd auf der Bank vor dem Shop. Da fast alle Passagiere nach kurzem Shoprundgang zum Dorf hin sind hatte ich Gavin und Richard für mich und deren Plaudereien aus dem Nähkästchen.

Die Rückfahrt begann mit den Besuch der Seehundfelsen und endlich bekam ich eine Erklärung wieso Seehunde von den Felsen Reissaus nehmen, wenn Kajakfahrer sich nähern. Kajaks sind einfach zu leise, haben aber in etwa Länge und Form eines Schwertwals und die machen bekanntlich Jagd auf Seehunde. Andererseits verhalten sie sich schwertwaluntypisch, vermutlich ist das der Grund wieso man dann vom Wasser aus neugierig beäugt wird.


Wegen mangelnder Seevögel fiel der Exkurs zu den Klippen von Sanday leider aus, es ging weiter zum Wrack an der Küste von Rum. Für mich sah es so aus als ob es näher an den Felsen war als letztes Jahr, doch Richard erklärte, das es durch die Stürme die Küste entlanggeschoben wurden ist. Etwa 100m weiter nach Osten, es liegt jetzt auch fast vollständig auf der Seite. Gavin manövrierte das Boot fast bis ans Deck, das ging letztes Jahr definitiv nicht.

Richard dabei zu haben war toll. Er ist von älteren Jahrgang und hat ein enormes Wissen um die Inseln und deren Tierwelt. Obwohl das jetzt meine vierte (?) Tour nach Rum&Canna war, hörte ich auch viel neues über die Hirsche auf Rum. Ohne einen Abstecher in die Bucht vor Kinloch ging es zurück nach Elgol.

Doch statt die Aussicht zu geniessen schlummerte ich fast ein. Gavin nahm Rücksicht auf seine Passagiere, die nicht alle Spass an einem wilden Ritt hätten. Das Motorengeräusch war eintönig, die Wellen verursachten ein gleichmässiges Auf und Ab und da wir mit den Wind fuhren gab es auch keine Gischt. Kapuze etwas tiefer ins Gesicht, Hände in die Bauchtasche kuscheln, Kopf aufs Kinn und wegdämmern, nur ab und an mal schauen wo man grade ist. Eh, es war ne kurze Nacht gewesen und ich hatte wenig geschlafen, ich war warm eingepackt und es war eine ruhige Überfahrt.

Kurz vor Erreichen von Elgol Jetty düste grade Alex mit dem zweiten RIB los. Alles aussteigen, hoch zum Container laufen, Schwimmweste ablegen und Schutzkleidung aus und zuschauen wie Alex wieder zurückkommt? War aber nen kurzer Trip! Allerdings nur für zwei seiner Passagiere. Ein kleines Mädchen mochte die Fahrt überhaupt nicht, die Möglichkeit dafür war vorher bekannt, man liess es drauf ankommen und testete mal kurz. Kind und Papa wurden in Elgol abgesetzt, Mama blieb auf dem RIB und machte den Trip nach Rum, ob es nach Canna ging würde Alex erst dort entscheiden. Der Wind hatte wieder zugenommen und Regenwände standen vor den Small Isles.

Doreen vom Office organisierte Schaufel und Eimer für das kleine Mädchen was damit am Sandstrand spielen konnte bis die Bella Jane anlegt. Das Boot ist grösser und vorallem fährt es ruhiger, damit stand zumindest dem Seehundguggen nichts im Wege.


Es war grade erst Mittag durch, der Tag noch lang. Ich dämmerte wieder fast weg nachdem ich mich in einen Stuhl gekuschelt hatte und dem Meer lauschte, Aussicht war grade nicht, weil Regenwand the Cuillin versteckte. Richard und Gavin machten es sich ebenfalls an den kleinen Tischen vor dem Bürocontainer bequem und streckten die Beine aus. Und nu? Feierabend? Nee, noch ne kleine Tour in einigen Minuten nach Soay und zu den Cuillin Hills. Ob ich nicht Lust hätte mitzukommen? Was für eine Frage. Immerdoch, wenn noch Platz ist. Es war noch ausreichend Platz auf der offiziellen Passagierliste fanden sich nur noch zwei deutsche Landsmänner und drei Inder. Da die Herren so richtig Spass haben wollten versprach das ne lustige Tour zu werden.

Als weiterer Passagier kam noch Will vom Office dazu, er sollte etwas "Marine"-Training bekommen. Diesmal verzichtete ich auf die orangene Überjacke und begnügte mich mit meinem Cag, nur die wasserabweisende Hose musste her. Die empfahl ich auch meinen Landsleuten, die zwar eigene wasserabweisende Jacken trugen, was aber nicht für die Hosen galt.

Alle Mann, Frau und Kind (Will ist noch nicht volljährig) an Board. Oh Junge, da Richard und Gavin noch vor dem Ablegen nur vor Witz sprühten, versprach das einiges für die folgenden 90min. Kaum aus dem Mooring raus zeigte Gavin schonmal ein bisserl was man mit dem RIB so an Kurvenlagen veranstalten kann und wie gut man damit auf den Wellen springt. Bevor es nach Soay ging, aber erstmal nach links weg zu Prince Charles Cave, eine kleine Geschichtsstunde musste sein.

Dadurch war der Weg zur Südspitze von Soay natürlich etwas weiter und somit hatte man mehr Zeit für eine holprige Fahrt über das Wasser. Das war aber auch der Sinn der Sache quasi ohne Rücksicht auf Verluste hielt Gavin drauf und ab und an gabs noch nen kleinen Schlenker.

Am Vormittag war sowas noch undenkbar, doch mit den aktuellen Passagieren war es einfach nur Klasse. Wir hatten Spass. Alle, naja fast Alle. Irgendwie war es ein wenig still neben mir. Ich sass hinten steuerbord, an Backbord sass Will. Der schäumte nicht grade vor Begeisterung, gut ihm war auch nicht schlecht, aber irgendwie schien ihm das nicht soviel Spass zu machen wie dem Rest, einschliesslich Gavin und Richard.

Südlich von Soay ist eine kleine Felsenansammlung auf der Shags sassen. Hier wurde kurz Halt gemacht und geprüft ob es allen gut geht. Gavin eröffnete noch eine sichere Möglichkeit nass zu werden für den Fall, das es jemanden zu trocken war. Erstaunlicherweise waren wir sogar noch fast trocken. Der Wind blies uns die ganze Zeit entgegen und wehte nur 2mal ein wenig Gischt ins Boot. Da war noch ordentlich Potential vorhanden. Was nicht ist, kann ja noch werden.



Genug durchgeatmet, im Soay Sound stand eine Regenwand und der Besuch der Basking Shark Station stand an, wenn denn die Flut mitspielt. Die wenigen Minuten bis zur Einfahrt in den Naturhafen von Soay reichten um mir die Sicht zu nehmen, die Brille war mit unzähligen Regentröpfchen gesprenkelt. Aufgrund der Passage in den Hafen und einem Segelboot was direkt vor uns war, musste Gavin Fahrt rausnehmen, so konnte ich die Gelegenheit nutzen und erstmal Brille putzen.

Die Hafeneinfahrt wird von einen Felsenreihe durchzogen, die unter der Wasseroberfläche verborgen ist und nur an einen kleinen Stelle ist der Felsen etwas tiefer. Zwei Pfosten am Ufer stellen die Peilung da, knapp wird es aber trotzdem. Langsam folgten wir der Segelyacht. Richard fragte sich laut, ob die ihren Kiel eingezogen hatten oder nicht und dann hörten wir schon den Tiefenalarm der Yacht bis zu uns herüber. Doch es gab kein knirschendes Geräusch und kein Geruckel, die Yacht kam ohne Grundberühung durch. Mit dem RIB muss man auch ein wenig aufpassen, aber aufgrund weniger Tiefgang ging es für uns schneller durch. Doch bei Niedrigwasser hat auch das RIB keine Chance.

Vor den Überresten der Basket Shark Station gab es eine weitere Geschichtslektion von Richard über den Fang von Riesenhaien, deren Verarbeitung und Handel mit ihrem Fleisch sowie sonstige Verwendung. Für diverse Lacher sorgten Einwürfe von Gavin, der war richtig gut drauf. Das er nen lustiges Kerlchen ist, weiss ich ja, aber auf der Tour lief er zu Höchstform auf. Und die Tour war noch lang nicht zu Ende. Das Beste sollte erst noch kommen.

Die vorletzte Station auf der Runde führt zu den Seehunden im Loch na Cuilce. Wir kamen im Loch gleichzeitig mit der Bella Jane an und verfolgten sie ein paar Meter bevor zum Seehundguggen gehalten wurde.


Auf den wenigen Meilen von Soay zu den Seehunden sind wir durch Regen ordentlich nass geworden und es war aufgrund des Windes ein wenig frisch. Da will man sich natürlich aufwärmen und wenn die Bella Jane an den Landing Steps festgemacht hat, tut sich da eine Möglichkeit auf. Doch vorher gabs nochmal eine Wasserspielerei, plötzlich erhob sich eine Fontäne hinter dem Boot. Gavin hatte die Motoren etwas aus dem Wasser geholt und dann mal das Gas aufgedreht. Da hatte jemand offensichtlich Spass. So wer möchte Whisky? Die 5 Herren im Bug meldeten sich und die Bestellung wurde an die Crew der Bella Jane durchgegeben an deren Seite mittlerweile festgemacht wurden war. Richard verlangte für sich eine Hot Chocolate. Eh, bitte zwei, ich will auch eine. Nur Gavin verzichtete auf ein Getränk. Und Will. Will nutzte die Chance das Boot zu wechseln.

Eigentlich war angedacht, das auch die Inder das Boot verliessen um ein wenig zum Loch Coruisk zu spazieren und mit der letzten Fahrt des Tages mit der Bella Jane zurückkehren, doch angesichts des Wetters verzichteten sie.

Was müssen nur die Passagiere auf der Bella Jane gedacht haben, angesichts der kleinen gackerndern und rumalbernden Gruppe auf dem RIB? Ich schwöre wir waren (bis dahin) alle nüchtern. Der Dram Whisky wurde in Glasgläsern (!) rübergereicht, die Hot Chocolate in Iso-Pappbechern. Und ich bekam auf Nachfrage sogar den Extrazucker, nicht im Päckchen, sondern in Dosierzuckerdose. Ja, Gavin, in das Zeug gehört Zucker rein, heiss und süss. Kipp ruhig rein, gab sogar nen richtigen Löffel zum Umrühren. Was für ein Service!

Da die Whiskygläser wieder auf die Bella Jane gehörten sammelte Gavin sie ein, nur hatte mindestens einer der Inder noch nicht ausgetrunken, worauf hin der Rat kam (natürlich die englische Version) "nicht lang schnacken, Kopf in Nacken". Bei dem Whisky handelte es sich um Talisker, das ist ein etwas torfiger Whisky, das brannte dann wohl etwas in der Kehle, wie man an der Mimik erkennen konnte.

Ich wärmte mir die Hände noch an meinem Pappbecher als es wieder aus dem Loch na Cuilce ging und zu den Bad Steps. In der Anfahrt fragte ich Gavin ob er mittlerweile da mal selber durch ist, eine deutliche Antwort bekam ich nicht. Dafür meinte Gavin laut ob sich vielleicht ein Freiwilliger findet um zu demonstrieren, wie man durch die berühmt berüchtigte Felspassage kommt.

Was dann geschah kann ich noch immer nicht so ganz glauben. Richard war etwa in Bootsmitte und ich drückte ihm auf dem Weg nach vorne meinen Becher in die Hand, denn der würde in den nächsten Minuten stören. Schliesslich hockte ich am Bug und visierte die nahen Felsen im Wasser an und wartete darauf das das Boot in einer Position war, an der ich sicher von Bord kam und von den Felsen, die bei Flut überspült sind und höher kletterte bis zum Eingang in die Bad Steps.

Da stand ich nun mit Rettungsweste in den Felsen, das RIB unter mir und 7 Augenpaare die zu mir hochschauten.

Es gab kein Zurück mehr. Den Weg kenn ich ja. Gut, soviel Wasser floss im letzten Jahr nicht über den Felsen und irgendwie sah es anders aus, der Weg kam mir kürzer vor bis zur Wendestelle und warum kann ich heute das Wasser auf beiden Seiten des Felsgrates so gut sehen?

Wie rutschfest sind überhaupt die Schuhe? Ich hatte nicht meine Gummistiefel an, sondern meine leichten Trekkingschuhe, mit denen ich noch nie in nassen Felsen (erfolgreich) unterwegs war. Ohne Ausrutscher kam ich zu der grossen Stufe, kurze Überlegung, dann wie schon mehrfach erprobt rittlings Platz nehmen und langsam weiterrutschen, in die Höhle klettern, durch diese durch und schauen wo das RIB an die Felsen kommt um wieder einzusteigen.

Dazu nochmal eine kleine Klettereinlage über Felsen und dann? Auf den Felsen setzen, ein Bein baumeln lassen, das andere auf die breite Wulst legen. Gewicht nach vorne verlagern auf das Bein im Boot ... Mist, ich häng fest. Die Rettungsweste hat einen Gurt, den man normalweise zwischen den Beinen durchzieht und dann festmacht um zu verhindern das die Weste nach oben rutscht. Das wird bei den Ausflügen aber nicht gemacht, dauert zu lange und ist zu umständlich. Doch jetzt war der Gurt zwischen Boot und Bein im Felsen eingeklemmt. Das Boot drückte ans Bein. "Gavin, reverse, please, I'm stuck". Und jetzt ja nicht mit dem Gewicht nach hinten, sonst würde ich die Rettungsweste brauchen. Bein und Gurt waren frei und ich wieder im Boot. WOW. Vor zwei Jahren bin ich bei idealen Wetterverhältnis quasi mit Herzrasen durch und heute solch eine Aktion, ganz freiwillig, aus Spass und ohne das das Herz in die Hose rutscht oder bis in die Kehle schlägt.

Auf der Rückfahrt nach Elgol wurde natürlich nicht langsam gemacht, nein, da wurde nochmal aufgedreht und die Bella Jane gejagt, umkreist und in ihrer Nähe enge Zirkel gedreht. Das Boot so schräg, das vor mir ins Wasser gefasst wurde, einfach weil es ging.

Der Adrenalin- und Endorphinspiegel war so hoch, das mir erst nach Ablegen der Schwimmweste auffiel das mir die Handfläche schmerzten, die über den rauhen Felsen gerutscht sind und auf den Handrücken eine Schnittwunde war.

Es war einfach nur geil. Für solchen Ausflug braucht man die richtige Gesellschaft und die hatte ich. Zweifelsohne. Wenn man dann auch noch hört und sieht, welchen Spass die anderen Passagiere haben und die Crew, dann steigert es das Erlebnis nur umso mehr.