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Autofahren bei den Schotten

Auch wenn man auf der "falschen" Seite fährt, im Grunde genommen ist es mit den Regeln und Geboten nicht soviel anders wie in Deutschland. Wer mit den eigenen Auto, einem Linkslenker, unterwegs ist hat es sogar leichter als man denkt. Da wo der Fahrer sitzt ist die kürzeste Entfernungen zum Strassenrand und in die Richtung geht es auch beim Kreisverkehr. Das ist so einprägsam, ich hatte bei meiner Rückkehr nach Deutschland mehr Probleme rechts zu fahren als mich ans Linksfahren auf der Insel zu gewöhnen.

Was die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten betrifft, so ist man nur auf den Autobahnen (Motorways) und grossen Kraftfahrstrassen langsamer als in Deutschland. Auf jeder Strasse mit mindestens 2 Richtungsfahrbahnen sind 70Meilen die Stunde erlaubt, wenn nicht anders ausgeschildert. Das sind 112km/h. Will man im Verkehr mitfliessen sind es dann schon zwischen 115 und 120km/h.

Alle Strassen, die keine Autobahnen (Motorways = M gefolgt von einer Zahl) sind, können jederseit von 2 Richtungsfahrbahnen (Dual Carriageway) auf 1 Spur je Richtung wechseln. Ist aber normalerweise rechtzeitig ausgeschildert, genauso wie es von einer Spur auf wieder zwei Spuren gehen kann.

Hat man nur eine Spur je Richtung sind 60Meilen die Stunden erlaubt, 96km/h. Das gilt ausserorts auf jeder Strasse, wenn nicht anders ausgeschildert. Auch auf SingleTrackRoads (zu denen komm ich noch).

Wer nach Grossbritannien will, sollte eines sicher beherrschen: flottes Anfahren. Autobahnen haben oft nur sehr kurze Beschleunigungsspuren, nicht selten gibt es zweispurige Zufahrten, wovon die rechte unvermittelt auf die Hauptfahrbahn führt.

Bei den normalen Überlandstrassen sind Beschleunigungsspuren die Ausnahme, rechtwinklige Einfahrt ist normal. Das kann schonmal bedeuten, das man sich aus dem Stand auf einer 4-spurige Strasse einsortieren muss. Will heissen: von hinten (besser gesagt rechts) kommen die Autos mit über 100km/h an. Wer auf grosse Lücken wartet, kann da sehr lang warten. Erschwert wird das ganze dadurch, das ausser im Stockdunkeln, die Briten oft ohne Licht fahren oder z.B. bei Regen nur mit Standlicht. Mit Licht sieht man ja nach vorne nicht besser, Hauptsache hinten sind die roten Lichter an. Das kann beim Ansetzen zum Überholen in Schrecken enden, weil im Regen sieht man die von hinten nahenden Autos nicht.

Die Höchstgeschwindigkeit innerhalb von Ortschaften sind 30Meilen die Stunde, 48km/h. Problem: Es gibt keine einheitlichen Ortseingangsschilder. Viele Ortschaften stellen aber Schilder auf, die eine Höchstgeschwindigkeit vorgeben und zwar mit Näherung. Ähnlich wie die Barken vor Bahnübergängen. Es gibt durchaus Orte, da darf man mit 40Meilen (60km/h) oder gar 50Meilen (80km/h) durch.

Meist ohne Schilder oder nur sehr kleinen Schildern wird das Park- und Halteverbot geregelt. Hier muss man auf die Strasse schauen. Halteverbote erkennt man an einer doppelten, gelben Linie am Strassenrand. Parkverbote sind mit einer einfachen gelben Linie gekennzeichnet. Dann gibt es noch gelbe gestrichelte Linien. Hier bitte nach Schildern suchen, hier wird zu bestimmten Uhrzeiten (oder immer) ein Parkschein benötigt. Sind Flächen oder Linien rot, darf überhaupt nicht gehalten werden, auch nicht mal kurz, damit jemand aussteigen kann.

Vorfahrt wird entweder durch Schilder geregelt oder durch Malereien (Dreieck)/Schriftzüge (Give Way) direkt auf dem Asphalt. Ist nichts davon zu sehen, heisst es sich einigen.

Beim Überholen sind die Briten etwas eigen. Blinker setzen ist nicht so verbreitet und führt grade in ländlichen Gegenden und Schnellstrassen zu Missverständnissen. Es kann sein, das man beim Spurwechsel von hinten eine Lichthupe bekommt. Meistens heisst das: "ich habe dich gesehen, du kannst beruhigt ausscheren und dich vor mich setzen". Ist der Abstand zum Hintermann etwas geringer, kann es auch schonmal bedeuten "Eh, was soll das?! Hier komm ich".

Zum Blinkereinsatz kommt es im Kreisverkehr bzw. bevor es in den Kreisverkehr geht. Man zeigt bei der Einfahrt an, wo es hingehen soll. Wer die erste Ausfahrt nimmt, blinkt links. Wer die zweite nutzt, fährt gradeaus und blinkt nicht und wer an der dritten Ausfahrt den Kreisel verlassen will blinkt rechts. Einfacher Grund: die Spuren sind nicht immer eingezeichnet, aber es haben durchaus zwei Autos nebeneinander Platz. Wenn man bei der Einfahrt den Blinker entsprechend setzt, kann sich der Hintermann darauf einrichten.

Es gibt allerdings auch grössere Kreisel mit Zwangsführung. Wer sich hier stur aufs Navi verlässt, ist schnell verlassen. Klappt nämlich nicht immer mit der Zählerei. Vor dem Kreisel gibt es ein Schild mit Spurenanzeige und auch auf dem Asphalt steht nochmal die Richtung. Viele Ortsnamen sind abgekürzt ((z.B. E'burgh für Edinburgh), es werden Himmelsrichtungen genutzt oder Strassennummerierung (manchmal mit Himmelsrichtung). Vor dem Fahrtantritt sollte der Autoatlas studiert werden und Ortschaften und Strassennummer auf ein Spickzettel notiert werden. Ordnet man sich falsch ein, dann der Spur folgen und keine wilden Wechsel im Kreisel starten. Wer unbedingt kreiseln will, um nochmal Schilder zu lesen: Rundkurse nur auf der Innenbahn.

Nun zu meiner Lieblingsdiziplin: dem Fahren auf SingleTrackRoads. Das sind einspurige Strassen, aber keine Einbahnstrassen. In Schottland gehören sie zum normalen Strassenbild, südlich davon sind sie seltener und Schleichwege.

Wenn nicht anders ausgeschildert muss man auf diesen Strassen nicht nur mit anderen PKWs als Gegenverkehr rechnen, die gibt es garantiert, sondern mit allen möglichen an Fahrzeugen. Da dürfen auch Wohnmobile, Busse und LKWs fahren. Auch wenn die Strasse manchmal nur so breit wie das Auto ist.

Damit das funktioniert gibt es sogenannte PassingPlaces, Ausweichstellen. Normalerweise mit einem weissen, quadratischen, auf der Ecke stehenden Schild gekennzeichnet auf dem auch PassingPlace steht. Manchmal steht nichts drauf, manchmal steht nur noch der Pfahl an der Strasse.

Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf diesen Strassen sind 60Meilen die Stunde. Man schafft es nur selten so schnell zu sein, weil zu kurvig und hüglig und zu langer Bremsweg. Es heisst immer den letzten PassingPlace zu merken und nach den nächsten Ausschau zu halten. Bei Gegenverkehr hält das Fahrzeug im PassingPlace, welches den Nächsten als Erstes erreicht. Auch hier gilt das Linksfahrgebot. Die Ausbuchtungen sind mal lauf der linken Strassenseite, mal auf der rechten. Ist die Ausbuchtung rechts und man kommt zuerst an, dann bleibt man trotzdem links stehen, der Gegenverkehr macht den Schlenker durch die Bucht. Auch in Kurven hat man sich links zu halten, um sich und den Gegenverkehr nicht zu gefährden. Kurvenschneiden ist ein ABSOLUTES NO-GO. Man bremst VOR Kurven und Kuppen. Sobald man diese Einsehen kann, kann man wieder Gas geben, wenn die Strasse frei ist.

PassingPlaces sind aber nicht nur dazu da, das der Gegenverkehr passieren kann, es sind auch Überholmöglichkeiten. Wer nicht schnell fahren kann oder will und bemerkt, das von hinten ein schnelleres Fahrzeug kommt, der hält an einem PassingPlace und setzt den Blinker links. Das ist das Zeichen für den Hintermann, das er vorbeigelassen wird. Es gibt nichts frustrierendes als hinter einem langsamen Fahrzeug herzufahren und eine Ausbuchtung nach der anderen wird ignoriert. Einheimische und Kenner der Strasse fahren deutlich schneller als die meisten Touristen. Man kann sie aber gut als Führungsfahrzeug nehmen und selbst probieren, ob man mit ihnen mithalten kann ohne das dem Beifahrer schlecht wird oder die Grenzen der eigenen Fahrkunst erreicht werden. Das Überholenlassen gilt auch für die normalen zweispurigen Strassen, grade in Schottland sind Überholmöglichkeiten rar, aber die Geschwindigkeitsunterschiede durchaus enorm. PKW mit Anhänger und kleine LKW/Wohnmobile dürfen auf zweispurigen Strassen nur 50Meilen statt 60 fahren. Das sind 16km/h Unterschied.

Es kommt vorher, das zwei Fahrzeuge im Gegenverkehr gleichzeitig zwei benachbarte PassingPlaces ansteuern und dort den Gegenverkehr abwarten. Die Vorfahrt wird in diesem Fall mit der Lichthupe geregelt. Wer aufblendet lässt den anderen vor. Vorfahrt zu geben, empfiehlt sich auch dann, wenn einem mehrere Fahrzeuge entgegenkommen.

PassingPlaces sind KEINE Parkplätze, sondern gehören zur normalen Strasse. Sollte sich neben der Bucht ebene, aber nicht betonierte Fläche befinden, kann man dort parken. Aber nicht auf dem Asphalt.

Ausser SingleTrackRoads gibt es noch eine weitere Besonderheit: Cattle Grids. Das sind in der Strasse eingelassene Metallgitter bzw. Stangen. Sie dienen als Weideabgrenzung bzw. Aussperrung von Vieh (Rindern und Schafen), die trauen sich da nicht rüber. Wer mal versucht hat selber drüber zu laufen, wird das verstehen. Macht nen tierischen Lärm wenn man drüber fährt. Nicht erschrecken. Meist sind sie durch Schilder angezeigt, umso langsamer man drüber fährt, umso leiser ist es. Die Cattle Grids findet man meist auf SingleTrackRoads, ich habe sie aber auch schon auf vierspurigen Strassen überfahren.

Vieh gehört zum normalen Strassenbild, die Strassen führen numal über Weidegelände. Mit Rindern und vorallem Schafen auf der Strasse ist immer zu rechnen. Nur eines sollte man nicht machen: Anhalten wenn man eine Herde oder ein einzelnes Tier vor sich hat. Wer hält hat verloren. Die Tiere kennen nämlich Autos, sie haben davor keine Angst. Einfach langsam weiterfahren, die gehen schon aus dem Weg. Ausser man gerät auf einer SingleTrackRoad, die auf beiden Seiten durch Felsen oder Abhang begrenzt ist, in eine Herde, die einem entgegenkommt. Dann ist anhalten geboten und die Tiere vorbeilaufen lassen. Die sortieren sich artig am Auto vorbei. Schäden am Auto sind nicht zu befürchten. Ist die Herde in Fahrtrichtung unterwegs: nicht hupen, sondern im Schritttempo die Tiere vor sich hertreiben. Sobald die Strasse breiter wird machen sie Platz.

Dunkelheitsfahrten sind eine ungewohnte Herausforderung. Tagsüber fallen einem vielleicht die kleinen Huckel in der Strassenmitte auf. Im Dunkeln offenbaren sie ihre Daseinsberechtigung. Es sind Reflektoren. Oftmals sind die die einzige Möglichkeit den Strassenverlauf zu erkennen. Leitpfosten wie man sie aus Deutschland kennt, gibt es oft nur in Kurven. Es ist sehr ungewohnt im Dunkeln zu fahren und den Strassenverlauf nicht einsehen zu können, trotz Verwendung von Fernlicht. In den Kurven gibt es Leitpfosten, sehr dicht gesetzt und mit roten Reflektoren. Auf SingleTrackRoads dienen die Schilder für PassingPlaces zur Orientierung. Da sie jedoch keiner festen Methodik in der Aufstellung folgen und Passingplaces mal links und mal rechts sind, ist es nur eine grobe Orientierung.

Wer im Winter unterwegs ist, sollte eine Winterausrüstung dabei haben, sich aber auch darauf einrichten, das Strassen schon bei geringen Schneehöhen gesperrt werden. Echte Winterbereifung ist bei den Briten nicht verbreitet und entsprechend rutschen die Autos über die Strasse. Gesperrt Strassen können zu Umleitungen führen, die schnell eine Stunde und mehr Zeit beanspruchen. Nach langen bzw. schweren Regenfällen steigt die Gefahr von Erd- und Felsrutschen. Da dies schnell eintreten kann und zu kurzfristigen Sperrungen führt, empfiehlt es sich das Autoradio auf TP zu stellen und vor Fahrtantritt die Seite von traffic-scotland zu checken. Dieser informiert auch über geplante Bauarbeiten und mögliche Verzögerungen.