21. September - Start am Loch Shiel

Handy als Wecker war gestellt, aber ich war von allein vor halb 8 wach und entschwand ohne Fruehstueck aus dem Hostel, mir stand es nicht nach Toast. Vor dem Supermarkt musste ich noch warten, um mir dort nen Meal Deal zu besorgen, macht der erst um 8Uhr auf.

Die Fahrt nach Glenfinnan war kurz und ich fand den Steg, daneben ein Strand mit sehr groben Kieseln, scharfkantigen Kieseln. Nicht der ideale Grund. Egal. Boot vom Auto und zum Wasser schleppen. Loch Shiel war ein Spiegel und die Morgensonne reflektierte. Ein Spiegel, bevor ich realisierte was das bedeutete wurde ich schon Opfer der Midges und ich fand mein Smidge erstmal nicht. Aber selbst dann schwirrten die Biester noch um mich rum und verleideten mir die Atmosphaere.
Erstmal alles Gepaeck neben dem Boot stapeln, die gruene Tonne mit dem Paddelsachen auf die andere Seite. Dann begann das Tetris spiel.

Weil der Bootaswagen aufgrund einer moeglichen Umtragung mit sollte, dauerte das Packen laenger und mir ging der Platz aus, irgendwie. Kurzerhand beschloss ich den Bootswagen nicht mitzunehmen, bei der Umtragung haette ich das vollbeladene Boot eh nicht selber aus dem Wasser hieven koennen und somit vorher alles auspacken muessen. Da kann ich auch gleich mehrfach laufen.
Ohne Bootswagen war die Sache gleich viel einfacher, doch als ich fertig war, war ich mir sicher, das da noch einiges an Optimierungspotential vorhanden war. Die 2l Wasserflaschen hatte ich im Fussraum, im Heck waren zwei Scheite fuer Lagerfeuer, beide rochen ziemlich parfuermiert. In der Bootsspitze dagegen war nichts gestopft, somit verlorener Raum.

Das Packen fand unter ein wenig Zeitdruck statt, denn ich musste ja noch nach Mallaig und dann einen Bus bekommen. Andererseits war ich ja sehr frueh gestartet, zum Glueck, somit kam es nicht zur Panik. Umziehen, so das ich bei Rueckkehr nur noch in Trockenanzug und Paddelstiefel schluepfen muss. Angekommen in Mallaig war die erste Parkbucht an der EastBay mein. Windbreaker anziehen, Wanderhose ueber und dann in rosa Badelatschen Richtung "Zentrum", fuer die normalen Treter war im Boot kein Platz. Ich hatte zwar ein Sandwich in der Tasche, aber trotzdem suchte ich ein Cafe auf fuer ein Stueck Moehrenkuchen.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle kommt mir ein Kajaker entgegen, kein Zweifel, weil er trug noch Spritzdecke und Schwimmweste. Das Kajak lag an einem kleinen Strand unterhalb einer Aussichtsplattform. Bei Nachfrage empfahl er mir diesen Strand fuer meine Landung zu nutzen, da nebenan auch gleich noch eine Schraege war um groessere Boote ins Wasser zu lassen, koennte ich sogar das Auto fuer den Ladevorgang kurzzeitig dort parken. Mit Sonnenschein und Regenbogen gings mit dem Bus nun Richtung Glenfinnan, aber nicht die Hauptstrasse, sondern erstmal Huegel an nach Morar, wo The Jacobite grade im Bahnhof einfuhr, dann ueber River Morar wo der Busfahrer fast auf der Strasse anhielt, weil er Seekajaker beobachtete die unterhalb der Stromschnellen spielten. Kurz auf die A830, aber nur um auf der Suedseite der Silver Sands of Morar auf die kleine Nebenstrasse einzuschwenken und die Kueste entlangzzuckeln. Grosser Bus auf kurviger Singletrack Road. Mir gab das Gelegenheit zu schauen wo ich in wenigen Tagen lang paddel und eventuell mein Zelt fuer die letzte Nacht aufschlagen kann.

Der Bus stoppte fuer mich an der Kreuzung wo es am Hotel reinging, schien sogar offizielle Bushaltestelle zu sein. Ich lief zum Hotel und traf auf dem Parkplatz ein Kanu an was beladen wurde, dabei aber auf einem Bootswagen abgelegt war, weil es von diesem Parkplatz zum Wasser etwas weiter ist. Ich habe die Einsatzstelle nicht gefunden, mein Boot lag an einer mehr einsehbaren Stelle. Die beiden Paddler wollten nur Loch Shiel runter und wieder hoch, in 4 Tagen, dabei wurden sie von einem Hund begleitet. Ich nutzte als letzte Gelegenheit die sanitaeren Anlagen des Hotels (die sind wohl gewohnt, das Paddler nochmal kurz reinschauen) und lief dann den Uferpfad zu meinem Kajak statt Strasse aussenlang. Kajak lag noch da wie ich es verlassen hatte, keiner hatt die Chance genutzt nen kleinen Ausflug zu unternehmen. Sobald ich starten wollte war auch offensichtlich wieso. Selbst die Kajaknase lag auf dem Trockenem und einfach ins Wasser schieben ging wegen dem Untergrund nicht. Na ganz toll. Gluecklicherweise kam in dem Moment das Kanu an und mir wurde Hilfe angeboten, die ich auch dankend annahm. Wie ich das Boot am Abend allein aufs Trockene bekomme wuerde ich mir ueberlegen, wenn es soweit ist. 



Seltsamerweise fuehlte sich das Cetus nicht an wie ein U-Boot wie es mir beim Start in Harris vorkam, es war etwas langsamer, aber keineswegs schwerfaelliger. Schon bald ueberhole ich das Kanu was der Uferlinie folgt, weil der Hund dort langlaeuft und nicht im Boot sitzt, ich entscheide mich fuer eine etwas kuerzere Linie und fahr nicht jede Bucht aus. Zumal sich in zwei Buchten Lachsfarmen befinden. Bei Annaeherung kann ich die Burschen aus dem Wasser huepfen sehen, da die automatische Anlage im Fuetterungsmodus ist. Die Lachse sind noch relativ klein (oder sind es Forellen?). Einige der Netzbecken sind hochgezogen, so kann man sehen das die nicht wirklich tief sein koennen auch wenn die Netze jetzt gerafft sind.

Mit der 1:50000 Karte auf dem Deck vor mir ist die Orientierung nicht so leicht, ich bin die 1:25000 Karten gewohnt, aber da haette ich 3 (oder mehr) Karten fuer die Tour gebraucht und mehrfach am Tag umfalten muessen. Die pinke OS Survey Karte deckt dagegen die Strecke von Glenfinnan nach Mallaig komplett ab und eine Tagestour passt auf eine Faltung (wenn man es geschickt anstellt).

Nach einem fast windstillen Start kam Wind auf und wurde von Nieselregen begleitet. Igitt, nicht das beste Paddelwetter. Der Regen hoerte spaeter auf, der Wind dagegen nahm zu als ich so durch das gruene Tal paddelte. Irgendwie war es langweilig, zeitgleich aber auch interessant. Nach 2 Stunden erreichte ich Glen Aladale. Eigentlich wollte ich hier irgendwo mein Nachtlager aufschlagen, aber der Wasserstand im Loch als auch im Fluss Aladale war niedrig. Keine Chance den Fluss ein wenig lang zu paddeln. Nicht die kleinste Chance, ich strandete im Flussdelta, der Wind bliess mich nur weiter Richtung Land, aber die Distanz zum Ufer wo man haette zelten koennen und das Boot sicher ueber Nacht waere, war einfach zu weit von der Wasserlinie entfernt.

Ich sollte zusehen einen Uebernachtsplatz zu finden, die Schulter fing an zu zicken und die geplanten 10km fuer den Nachmittag hatte ich mit Glen Aladale erreicht. Doch jeden Kilometer den ich jetzt gut machte, wuerde mir bei der naechsten Etappe helfen. Dem Plan nach waeren das 35km von Glen Aladale. Die Karte hilft mir nicht viel, weil flache Straende kann man dort nicht erkennen und irgendwas auf der Karte war falsch, das Haus am gegenueberliegenden Ufer war nicht dort wo es laut Karte haette sein muessen. So wird das Navigieren auch nicht einfacher. In der Entfernung seh ich was, von dem ich hoffe es ist ein flach ansteigender Kiesstrand. Der Strand war weiter weg als gedacht, doch schliesslich erreich ich ihn und er ist schoen flach. Er wurde auch schon als Lagerplatz genutzt, man kann die Reste eines Lagerfeuers erkennen, eine halbgeleerte Wasserflasche liegt rum. Die kippe ich aus und dann kommt sie in meine Muelltuete.

Boot liegt erstmal nur halb auf dem Strand, weil zu schwer um es hochzuziehen. Fast den gesamten Nachmittag herrschte Wind und nicht nur ein laues Lueftchen, doch puentklich mit Start des Zeltaufbaus, legt sich der Wind komplett. Midgealarm. Wo hab ich das Smidge hingetan?  Bei jedem Gang zwischen Boot und Zelt sammel ich auch ein paar trockene Aestchen aus den verschiedenen Flutlinien. Der Trockenanzug ausgezogen und wurde nicht durch die Wanderhose ersetzt, es war warm. ich lief in meinen Baselayers rum (200er Merino-Langarmshirt und Nylon?-Leggings). 

Das Lager war aufgebaut, jetzt wurde gezuendelt. Rauch soll ja Midges abhalten. Das Holzscheit war in einem speziell impraegnierten Papier, welches gleichzeitig als Zuendbeschleuniger dient, deswegen roch das Zeug auch so penetrant. So richtig gut zuendelte es nicht, aber es rauchte ganz ordentlich. Mit Hilfe der gesammelten Aestlein gabs dann doch irgendwann ein Feuerchen und ich konnte mich der Zubereitung des Abendessens widmen. Ich hatte Miniknoedel, die nur in kochendes Wasser mussten. Wasser abgiessen und den Frischkaese rein (das Brot hatte ich entsorgt, war eh nur noch nen Rest gewesen). Nur mit Frischkaese dachte ich die Sosse waere nicht gewuerzt genug und machte noch ein Bruehwuerfel rein. Das war ne schlechte Idee, weil ein Bruehwuerfel war dann doch zuviel und versaute alles. Also versuchen soviel Sosse wie moeglich vorher abzukratzen. Den Rest des Abends sitz ich am Feuer, waerm mich auf, versuch auf der Karte meine exakte Position zu bestimmen und die Faltung fuer den naechsten Tag vorzubereiten waehrend ich zugeraeuchert werde. 10 Kilometer nach Glen Aledal und weitere 5km zu meinem Standort. Das nenn ich mal nen Start, noch 65km nach Mallaig, wenn man den kuerzesten Weg nimmt.

Als es dann irgendwann ins Bett geht, stinken meine Klamotten nach Rauch und mir ist leicht diesig im Kopf.