22. September - See, Fluss, Meer - Endlich Salzwasser

Castle Tioram lag vor mir und wurde im Uhrzeigersinn umrundet weil ich rechter Hand einen Damm erkennen konnte. Mmh, ich dachte ich bin zur Flut in Loch Moidart rein, aber wieso ist es dann hier so flach und ein Damm sichtbar?

Es regnete nicht (die Sonne blendete ab und an sogar) und ich war im Windschatten von Shona, doch nach Erkundung von Loch Moirdart stand mir nicht. Ich befuerchtete das die Zeit knapp wurde den North Channel zu passieren und ich das Boot durch Schlamm ueber den natuerlichen Damm der Moidart mit Shona verbinet treideln muesste sowie das der North Channel seinen beruechtigten Ruf als (Gegen)Windkanal gerecht wird. Gluecklicherweise trat beides nicht ein.

Kein Wind blies mir entgegen und ich hatte mehr als reichlich Wasser unter dem Kiel. Freie Sicht auf Eigg, gut zu erkennen an den signifikanten Felsen der ueber der Insel thront. Von nun an muss ich mich mir das Ufer einfach rechts halten und ich kann mich nicht verirren. Geirrt habe ich mich allerdings als ich die weissen Vierbeiner in auf den Felsen neben mir als Schafe identifiziert hatte. Ich musste mich bald korrigieren, denn es war eine kleine Gruppe von Ziegen, die dort langkletterte. Der Bock poste regelrecht fuer mich, er verliess seine Position auf den Vorsprung erst als ich ein gutes Foto hatte (zu dem Zeitpunkt dachte ich es waere gut, aber auf dem Computer schaut es nicht so aus).

Der Ausgang des North Channels ist durchzogen von einigen Inseln, somit war ich geschuetzt bis ich um die Ecke bog und quasi der offene Atlantik zu linker Hand. Kein Problem, es war nur eine leichte Duenung, die sich an einem netten weissen Sandstrand brach. Perfekt fuer eine Pause. Perfekt fuer Zelt. Genaugenommen war das "mein" Zeltplatz laut Tourenplan. Doch es war frueher Nachmittag und ich noch nicht in Stimmung mein Lager aufzuschlagen, zumal ich neben Fussspuren und Schleifspuren von Kajaks durch den Sand auch Hundespuren fand. Wohl doch kein so abgeschiedenes Plaetzchen. Der Platz ist auch ziemlich windig und quasi kein Schutz in Hauptwindrichtung. Momentan ist nicht viel Wind, aber er ist reichlich frisch. Ich beschliesse weiter nach Glenuig zu paddeln.

Ich schalte zum erstenmal mein VHF ein, weil der Wetterbericht der Kuestenwache muesste bald kommen. Nah an der Kueste lang wird es in der Brandung ziemlich schaukelig, doch dank einiger Ausfluege in diesem Jahr bei teilweise sehr herausfordernden Bedingungen bin ich selbstsicherer in dieser Art Wellen geworden und habe meinem Spass im Auf und Ab, der hereinkommenden Duenung und reflektierenden Wellen. Mitten im Vergnuegen kommt die Ansage auf Kanal 16, das man fuer den Wetterbericht auf Kanal 23 (?) wechseln soll. Eine Hand am Radio und eine haelt das Paddel waehrend des Boot im Kabbelwasser schaukelt. voraussage fuer die naechsten Stunden: sea moderate to rough, rain kann Schauer sein, Wind aus Suedwest mit 5 mit Boen von 7. Nicht das Wetter fuer ne Solotour, nichtmal Wetter fuer nen Clubausflug. Erstmal nach Glenuig und in den Sound of Arisaig, da bin ich vor dem Wind geschuetzt. Am Eingang vom Sound muss ich einen Skerry (Schaeren) passieren oder einmal aussenrum. Ich entscheide mich fuer innenlang, muss aber aufpassen nicht mit den Felsen zu kollidieren und halte auf eine Luecke zu. In dem Moment hebt eine Welle mich an und auch zur Seite, dahin wo eben noch deutlich schroffer Felsen zu sehen war. Als sich die Welle senkt, spuere ich wie das Heck Felsberuehrung hat. Oho, wegen dem Seitenwind hatte ich meinen Skeg fast ganz raus. Kein Problem wenn man auf Strand auflaeuft, weil ich habe einen mit Gummizug statt Drahtseil, aber die Landung war eher seitlich. Noch ein paar mal wird es etwas eng, wo die Duenung hereinkommt und sich an vereinzelten Felsen bricht, Nachteil wenn man sich nah am felsigen Kuesten bewegt, aber das Boot bleibt von weiteren Kontakten verschont und schon bald paddel ich durch ruhiges Wasser, geschuetzt hinter groesseren Schaeren. Nochmal eine letzte Biege und Glenuig liegt vor mir. Aber welches der Haeuser ist das Pub und wo kann ich anlegen, um ein Nachtlager aufzuschlagen? Kein Zeichen des Kajak-Haendlers, der sich in Glenuig befindet und das Bunk House auch dunkel (sehr viel spaeter sich heraus, das das Holzhaus nicht das Bunkhouse war). Das Wasser laeuft aus der flachen Bucht, der Weg zum trockenen Ufer fuehrt ueber rutschigen Seetank und eine schoene Wiese laesst sich nicht erkennen, dabei sollte es doch einen Flecken vor dem Pub geben. Anlegen bei auslaufende Flut, wuerde auch bedeuten, das beim morgigen Aufbruch ebenfalls Niedrigwasser ist. Volles Kajak, Solotour und weite Wege machen keinen Spass. Ich ueberleg noch ein bisserl, schau nach der Bootsrampe 100m entfernt und entscheide dann weiter in den Sound zu paddeln auf der Suche nach einen besseren Platz, noch hatte ich etwas Zeit bis zum Sonnenuntergang.



Die erste kleine Bucht, die angesteuert wird hat einen steinigen, sehr steilen Strand und ich seh auch absolut nichts wo Platz fuer ein Zelt waere also weiter. Der naechste Strand ist nicht ganz so steil und besteht aus sehr grossen Kieseln. Vom Wasser aus sieht es so aus als ob er eine natuerliche Terrasse bildet. Mit gut Schwung und halbwegs guten Timing wird angelegt, nach dem x-ten Versuch liegt das Boot fest und wird vom ruecklaufenden Wellen nicht wieder aufs Wasser gezogen. Aussteigen, Kajak noch  ein wenig hoeher ziehen und Gelaendeerkundung. Die Strasse ist extrem nah, der Boden eher was fuer ein komplett freistehendes Zelt und die beiden geparkten Campervans sind auf einer eingezaeunten Wiese. Ein Bach ergiesst sich ins Meer. Der Strand ist kieseliges Geroell und eine Gefahr fuer Knoechel. Schoen ist der Platz nicht, doch solangsam wird die Zeit knapp, nicht mehr lang bis das Tageslicht schwinden wird und die Karte zeigt auch keine schoenen Plaetze auf. Nicht auf dieser Seite des Loch Ailort in dem ich mich mittlerweile befand. Sounds. Aber gegenueber war etwas Weisses was nach Sandstrand aussah.

Ich war muede hatte ich doch diverse Meilen zurueckgelegt, neben der koerperlichen Anstrengung war auch die psysische Herausforderung gegeben und bei Definition stand mir nun ein "open crossing" bevor und keiner konnte garantieren das es ein guter Lagerplatz waere, aber schlimmer als aktuell kann es nicht sein, auch wenn Sandstraende bei Flut durchaus verschwinden und oberhalt ein Steilufer ist. Doch das Risiko ging ich ein, nochmal etwa 20 Minuten paddeln. Waehrend der Querung konnte ich mehr Sandstraende erkennen, sollte das momentane Ziel sich als ungeeignet herausstellen, waeren zur Not noch ein paar Alternativen zum testen. Es war nicht die kluegste Entscheidung noch weiter zu paddeln, aber andererseits nur so kaeme ein besserer Lagerplatz am Ende heraus. Zwei kleine Inseln wurden passiert und ein paar Seehunde schauten neugierig dem Kajak zu. Eine der Inseln hatte einen Strand in der Mitte, aber der war steil, nur knapp ueber der Hochwassermarke und der Kamm war ungeschuetzt dem Wind ausgeliefert. Vom Wasser aus liess sich auch nicht erkennen wieviel Platz waere, also weiter zum anvisierten Sandstrand.

Es ist kurz vor Ebbe als ich auf dem Sand auflaufe, andere Kajaks waren am Nachmittag hier, die Schleifspuren sind gut zu erkennen auf dem nassen Sand. Ich lauf Sand hoch zum Gras wo ein kleiner Bach sich den Hang runterschlaengelt. Na toll, wer hat den "Vorgarten" des "Zeltplatzes als Toilette verwendet? Leute, wenn Geschaeft am Strand dann unterhalb der Hochwasserlinie oder geht weiter hoch und buddelt da nen Loch. Alles andere ist ekelig und der kleine Bach hat nicht genug Volumen um als Spuelung zu sorgen. Ich muss vorsichtig sein wo ich hintrete bei der Bachquerung und kletter den kleinen Huegel hoch. Die kleine Terrasse solle grade genug Platz fuer mein Zelt bieten. Es wird zu dunkel um nach was anderen zu suchen. Das Boot wird IKEA-Tuetenweise ausgepackt, die Tueten den Strand hochgeschleppt und dann auf die Terrasse. Zum Glueck bieten meine Canyoning Schuhe gut Halt auf dem Gras, koennte sonst sehr schmerzhaft werden. Schmerzen hab ich eh schon, mein Kopf tut tierisch weh. Zu wenig getrunken? Sehr wahrscheinlich, aber wegen dem Trockenanzug verkneif ich mir zuviel zu trinken, weil jedesmal Schwimmweste aus und sich das Oberteil des Trockenanzugs ueber den Kopf zwaengen ist nicht lustig. Andererseits hatte ich Trinkblase und Schlauch dabei, ich haette also nur nach dem Mundstueck greifen und nuckeln muessen.

Das Zelt steht, wenn auch ohne Sturmabspannung und trotz Muedigkeit noch eine letzte Anstrengung, das Kajak kann nicht am Strand bleiben ueber Nacht. Der erste Hebeversuch scheitert, Kajak ist zu schwer. Ich muss es komplett leeren, sprich alle Wasserflaschen und Reservegaskanister raus. Der zweite Versuch gelingt, aber leicht ist es nicht, zumal der Wind wieder zugenommen ist und ich ein Segel ueber runde Steine balanciere und dabei versuche zu vermeiden in den Bach zu treten. Vorsicht beim Absetzen, reicht das letztes Jahr auf Canna der Gelcoat ein wenig leiden musste. Cockpitcover drauf, nicht das ich morgen diverse Getier im Fussraum finde, Boot auf's Deck rollen und ich bin fertig. Richtig fertig. Ich brauch jetzt nen Kakao um mich aufzumuntern, aber wo ist der? Ich kann die Dose nicht finden in all meinen Tueten. Wenigsten die Tuetensuppen sind da und werden beim spaeten Abendessen verschlungen.



Der Wind veralbert mich mal wieder, es ist komplett windstill geworen, aber durch die steigende Flut erreicht die Duenung die Felsen am Ufer und sorgt so fuer laute Brandung, die mich partout nicht in den Schlaf wiegen will. Zu den Kopfschmerzen gesellen sich noch Beschwerden in Knie und Huefte sobald ich mich auf die Seite lege. Ganz toll, der Kopf haemmert, ich bin fertig und die normalerweise bequemste Schlafposition laesst das Verlangen nach Ibuprofen aufkommen. Man sollte meinen nach 35km Paddeln an einem Tag ist man so muede das man einfach einschlaeft, leider nicht.