22. September - See, Fluss, Meer

Gegen Mitternacht wach ich auf, weil die der Alarm der Uhr, die ich an der Schwimmweste habe, losgeht. Also erstmal herausbekommen wie ich den Alarm ausschalte und er wieder zurueckgesetzt wird. Mit dem Einschlafen und weiteren durchschlafen gibts dann Probleme, zum einen Schlaf ich im Zelt eh nicht tief und dann juckt auch noch irgendwas im Auge. Viertel nach 7 krabbel ich dann aus dem Schlafsack und mach ich ans Packen. Natuerlich bei Windstille, was bedeutet ich schlag mich fruehzeitig mit Midges rum. Auf dem Track am gegenueberliegenden Ufer ist gut Verkehr, neben einem Holzlaster der leer rumrumpelt auch diverses an Autos die Richtung Salen fahren.

Boot packen muss gut eingeteilt erfolgen, denn diesmal wird mir keiner helfen es ins Wasser zu wuchten. Also erst Bug vollpacken und dann schonmal etwas ins Wasser schieben bevor der Rest geladen wird. Wenigstens nimmt der Wind zu und die Midges suchen das Weite. Ich paddel los mit einer Sackgasse vor den Augen. Die Kurve im Loch ist gut getarnt, es fehlt Kontrast im Gruen. Der aufkommende Nieselregen und eine beschlagene Brille machen es nicht leichter den Kurs zu bestimmen. Ich schleiche nicht am Ufer lang sondern entschliesse mich fuer Sichtstrecke, aber selbst die ist ein Zickzackkurs, weil ich ich nicht entscheiden kann wo es nun langgeht und welche Luecken im Baumbestand Lichtung und was Loch ist. Der Wind laesst nach, der Nieselregen bleibt. IBAH-Wetter. Es ist windstill als ich Eilean Fhianain kurz nach Passieren der engesten Stelle von Loch Shiel erreiche. Auf der Insel befindet sich ein alter Friedhof, doch bei dem Wetter hab ich auf Sightseeing keine Lust, zumal ich immer noch gut in der Zeit liege um die Stromschnelle wo River Shiel ins Meer fliesst zu erreichen, 12km muss ich dafuer noch zuruecklegen. Die Engstelle in Loch Shiel ist eine Kurve und liegt windgeschuetzt. Wo der Loch weiter wird paddel ich noch ein wenig durch fast spiegelhaftes Wasser (im Nieselregen) bevor mich der Wind voll erwischt und mir nur so entgegenblaest. Der Nieselregen wird zudem auch noch staerker und ich kann fast nichts mehr sehen mit all den Wassertropfen auf meinen Brillenglaesern, kalt ist es auch noch. Nein, so macht Paddeln keinen Spass.



Der Regen laesst nach, doch der Wind nimmt weiter zu und ich versuch den Windschatten unterhalb der Uferbaenke zu erreichen. Keine Ahnung wo ich eigentlich bin. Die Landzungen und Buchten die auf der Karte eingezeichnet sind, passen nicht so recht zu dem was ich sehe und das kleine Fischerboot was ich sehe, ist zu weit entfernt um es mal einfach so zu erreichen und zu fragen. Andererseits ich bin auf einen langgezogenen Loch, ohne grossartig Inseln, verfahren kann man sich da nicht wirklich. Ist das Arachle was ich da sehe als ich mal wieder um eine Ecke bin? Ich halte mich weiterhin am Ufer, der Wind laesst wieder ein wenig nach und sogar die Sonne kommt raus. Ich kann den Grund unter mir erkennen. Kein Kunststueck, es wird ziemlich flach. Zu flach! Als ich sah das es flacher wird hab ich mich zwar ein wenig vom Ufer entfernt, aber ich spuer trotzdem wie das Boot ueber Sand streift und meine Paddel schon seit diversen Schlaegen nur noch im flachen Stil gefuehrt werden. Doch dann sitz ich fest, so richtig fest. Selbst hoppelnd und Paddel als Stakstab nutzen komm ich keinen Zentimeter vom Fleck. Spritzdecke loesen, Fuesse links und rechts raus und hoch. Das Wasser reicht nichtmal bis zu Knie. Ich muss ein merkwuerdiges Bild geboten haben, wie ich meine Boot am Bug Toggel durchs Wasser ziehe, mehr oder weniger mitten im Loch. Die Schleppaktion wird erst beendet als das Wasser schon fast zu tief ist um ohne Probleme wieder einzusteigen. Ich halte mich jetzt in der Mitte des Gewaessers. Ich dachte schon Ellen scherzte als sie meinte das Wasser bei Arachle sei nur knietief und deswegen hat sie keine Bange wenn ihr Sohn ohne Schwimmweste seine ersten Paddelversuche unternimmt.

Allein bin ich nicht auf dem Loch einige Angler sind unterwegs in kleinen Motorbooten, einen muss ich umrunden oder umrundet er mich? Der Wind drueckt mich und ihn etwas vom Kurs. Wie ein Ausflugsschiff sicher zum Anleger in Arachle kommen soll ist mir ein Raetsel. So tief kann Loch Shiel doch auch bei normalen Wasserstand kaum sein. Wie auch immer ich halte auf das Gras neben dem Anleger zu und schramme etwas ueber den Boden. Das ist kein schoener (und schlammiger) Strand, wie ich es erwartet haette und es ist nicht nett fuer mein Boot. Egal, ich muss ans Ufer. Ersten fuer kleine Paddler und ausserdem hab ich immer noch was im Auge, was richtig laestig ist. In der Toilette sollte es doch ein Spiegel geben. Ausserdem kann man ja den kleinen Cafe aufsuchen, es ist fast mittag und ich hatte noch kein Fruehstueck (kein Hunger). Auf halben Weg zur Strasse dreh ich wieder um, ich habe die Otterbox vergessen und da ist das Geld drin.

Auf der Toilette gibts natuerlich keinen Spiegel, das Cafe hat (noch)zu, aber gleich nebenan ist eine kleine Baeckerei. Lauch-Kaese-Quiche fuer mich denn, weil Bacon Roll (Pappbroetchen mit gebratenen Speck belegt ist aus). Und ein Spiegel, ich frage die Verkaeuferin einfach, weil das Jucken im Auge macht mich fertig. Ich glaube eine Blase auf der Hornhaut zu erkennen. Oh nein, nicht schon wieder. Ich hatte sowas schonmal, brauchte aber Augentropfen vom Augenarzt weil das wohl ne Infektion war. Augenarzt ist heute nicht, vielleicht uebermorgen, wenn es ich denn einen Arzt in Mallaig finde.


Ich stiefel zum Boot zurueck und mampf die Quiche im gehen, nicht schlecht, aber Salz fehlt. Ein Blick zur Uhr, immer noch im Plan fuer Hochwasser bei den Stromschnellen. Von Hochwasser im Fluss kann ich dagegen nur traeumen, schon auf den letzten Meter des Lochs und Beginn des Flusses hilft nur Hoppeln. Ich kann diesen Fluss nicht lesen. Normalerweise heisst es, wo man Wasserbewegung gut erkennt, ist es flach, weil Steine fuer Verwirbelungen sorgen, doch Binsen und Co. taeuschen das ein oder andere Mal ueber Flachstellen hinweg. Das Wasser stroemt kaum und kann so nicht fuer Verwirbelungen sorgen. Spaeter rausch ich nur knapp an einem Stein vorbei, auch da gabs keine Verwirbelungen drumrum, weil genuegen Platz fuer das Wasser zum Fliessen.

Obwohl der Wasserstand im Loch nicht sehr hoch ist, fliesst noch genuegend Wasser den Fluss runter um fuer Stroemung zu sorgen, die mich vorantraegt ohne das ich Paddeln muss und stattdessen Fotos machen kann. Dann kommt die Stelle, die neben der Stromschnelle fuer mich ein Fragezeichen war als ich im April in Arachle war. Der Strom unter der alten Bruecke, eine Engstelle und Kurve, wo das Wasser aufgrund der unterschiedlichen Felsentiefe Kehrwasser entstehen laesst und einen gegen Felsen drueckt. Doch nicht heute, zu wenig Wasser, zu wenig Druck. Ich passiere die Bruecke und die Stege fuer die Lachsfischer und runter gehts die Flussbiegungen. Dahinter folgen halbhohe Daemme, die schraeg vom Ufer in den Fluss reinreichen und mir einen Zickzackkurs aufzwingen, wenn ich nicht stranden will. Das sind kuenstlich geschaffene Hindernisse mit klaren Linien, wobei der Kurs den ich neben muss gut erkennbar ist. Ok, ein paar Mal wird es reichlich knapp, ich beweg kein kurzes, sehr einfach zu wendenes Plastik Wildwasserkajak, sondern ein 5.41m langes, vollbeladenes GFK Seekajak. Es wird nicht nur ein paar mal knapp, tatsaechlich hab ich das eine oder andere mal eine Grundberuehrung, wo ich den Stroemungsverlauf falsch einschaetze. Es sollte aber noch schlimmer kommen, hinter einer Biegung wird der Fluss weiter und weist Ministromschnellen auf, die der anhaltenden Flussbiegung folgen. Ich ueberlege ernsthaft anzuhalten, auszusteigen und das Boot zu treideln. Ich kann zwar erkennen wo ich partout nicht lang kann, aber die verbleibenden Moeglichkeiten sehen auch nicht einfach aus. Ueber die erste Kante schiebt mich das Wasser noch sachte hinweg, doch in dem kleinen Pool in dem ich lande heisst es das Boot auf der Stelle zu wenden um nach rechts in den tiefen Kanal zu kommen. Ich bleibe ein paar Mal haengen, finde nur schwer Platz um das Paddel ins Wasser zu bringen, "gleite" zwischen zwei Steinen durch um das Boot nochmal um zu wenden, diesmal nach links. Wieder im Hauptstrom gehts fuer eine Meile mit viel Zickzack und Grundkontakt voran. Da tut mir schon fast physisch weh was ich Dobhran da abverlange.



Werd ich es noch zu Flut zur Flussmuendung schaffen? Ich passiere eine Stromschnelle in einer S-Kurve in welcher der Fluss reichlich schmal wird und rechter Hand ist ein (fuer ein Paddler) hoher, kleiner Steinpier. Soll das die Stelle sein, wo die Umtragung anfaengt? Keine Chance fuer mich, ob mit oder ohne Bootswagen, da bekomm ich das Boot allein nicht hoch! Der Fluss ist nun gerade, fliesst ziemlich schnell und ich sehe einen groesseren Wavetrain mit offenen Wasser dahinter. Ist das Loch Moidard und der Wavetrain die Stromschnelle? Keine grosse Stufe, nur ein einfaches hinuntergleiten, durch ein paar Wellen durch und das war's. Warum hatte ich mir nur zuviel Sorgen gemacht. Ein WOHOOOOOOO von mir und fuer Dobhran ein paar anerkennende Taetschel auf das Deck. Die Tort(o)ur hatte ein Ende, mein Seekajak schwamm endlich auf Salzwasser. Das Wasser war ein wenig aufgewuehlt, aber ich ziehe Wellen einer Flussstroemung vor.


Castle Tioram lag vor mir und wurde im Uhrzeigersinn umrundet weil ich rechter Hand einen Damm erkennen konnte. Mmh, ich dachte ich bin zur Flut in Loch Moidart rein, aber wieso ist es dann hier so flach und ein Damm sichtbar?

Es regnete nicht (die Sonne blendete ab und an sogar) und ich war im Windschatten von Shona, doch nach Erkundung von Loch Moirdart stand mir nicht. Ich befuerchtete das die Zeit knapp wurde den North Channel zu passieren und ich das Boot durch Schlamm ueber den natuerlichen Damm der Moidart mit Shona verbinet treideln muesste sowie das der North Channel seinen beruechtigten Ruf als (Gegen)Windkanal gerecht wird. Gluecklicherweise trat beides nicht ein.

Kein Wind blies mir entgegen und ich hatte mehr als reichlich Wasser unter dem Kiel. Freie Sicht auf Eigg, gut zu erkennen an den signifikanten Felsen der ueber der Insel thront. Von nun an muss ich mich mir das Ufer einfach rechts halten und ich kann mich nicht verirren. Geirrt habe ich mich allerdings als ich die weissen Vierbeiner in auf den Felsen neben mir als Schafe identifiziert hatte. Ich musste mich bald korrigieren, denn es war eine kleine Gruppe von Ziegen, die dort langkletterte. Der Bock poste regelrecht fuer mich, er verliess seine Position auf den Vorsprung erst als ich ein gutes Foto hatte (zu dem Zeitpunkt dachte ich es waere gut, aber auf dem Computer schaut es nicht so aus).

Der Ausgang des North Channels ist durchzogen von einigen Inseln, somit war ich geschuetzt bis ich um die Ecke bog und quasi der offene Atlantik zu linker Hand. Kein Problem, es war nur eine leichte Duenung, die sich an einem netten weissen Sandstrand brach. Perfekt fuer eine Pause. Perfekt fuer Zelt. Genaugenommen war das "mein" Zeltplatz laut Tourenplan. Doch es war frueher Nachmittag und ich noch nicht in Stimmung mein Lager aufzuschlagen, zumal ich neben Fussspuren und Schleifspuren von Kajaks durch den Sand auch Hundespuren fand. Wohl doch kein so abgeschiedenes Plaetzchen. Der Platz ist auch ziemlich windig und quasi kein Schutz in Hauptwindrichtung. Momentan ist nicht viel Wind, aber er ist reichlich frisch. Ich beschliesse weiter nach Glenuig zu paddeln.

Ich schalte zum erstenmal mein VHF ein, weil der Wetterbericht der Kuestenwache muesste bald kommen. Nah an der Kueste lang wird es in der Brandung ziemlich schaukelig, doch dank einiger Ausfluege in diesem Jahr bei teilweise sehr herausfordernden Bedingungen bin ich selbstsicherer in dieser Art Wellen geworden und habe meinem Spass im Auf und Ab, der hereinkommenden Duenung und reflektierenden Wellen. Mitten im Vergnuegen kommt die Ansage auf Kanal 16, das man fuer den Wetterbericht auf Kanal 23 (?) wechseln soll. Eine Hand am Radio und eine haelt das Paddel waehrend des Boot im Kabbelwasser schaukelt. voraussage fuer die naechsten Stunden: sea moderate to rough, rain kann Schauer sein, Wind aus Suedwest mit 5 mit Boen von 7. Nicht das Wetter fuer ne Solotour, nichtmal Wetter fuer nen Clubausflug. Erstmal nach Glenuig und in den Sound of Arisaig, da bin ich vor dem Wind geschuetzt. Am Eingang vom Sound muss ich einen Skerry (Schaeren) passieren oder einmal aussenrum. Ich entscheide mich fuer innenlang, muss aber aufpassen nicht mit den Felsen zu kollidieren und halte auf eine Luecke zu. In dem Moment hebt eine Welle mich an und auch zur Seite, dahin wo eben noch deutlich schroffer Felsen zu sehen war. Als sich die Welle senkt, spuere ich wie das Heck Felsberuehrung hat. Oho, wegen dem Seitenwind hatte ich meinen Skeg fast ganz raus. Kein Problem wenn man auf Strand auflaeuft, weil ich habe einen mit Gummizug statt Drahtseil, aber die Landung war eher seitlich. Noch ein paar mal wird es etwas eng, wo die Duenung hereinkommt und sich an vereinzelten Felsen bricht, Nachteil wenn man sich nah am felsigen Kuesten bewegt, aber das Boot bleibt von weiteren Kontakten verschont und schon bald paddel ich durch ruhiges Wasser, geschuetzt hinter groesseren Schaeren. Nochmal eine letzte Biege und Glenuig liegt vor mir. Aber welches der Haeuser ist das Pub und wo kann ich anlegen, um ein Nachtlager aufzuschlagen? Kein Zeichen des Kajak-Haendlers, der sich in Glenuig befindet und das Bunk House auch dunkel (sehr viel spaeter sich heraus, das das Holzhaus nicht das Bunkhouse war). Das Wasser laeuft aus der flachen Bucht, der Weg zum trockenen Ufer fuehrt ueber rutschigen Seetank und eine schoene Wiese laesst sich nicht erkennen, dabei sollte es doch einen Flecken vor dem Pub geben. Anlegen bei auslaufende Flut, wuerde auch bedeuten, das beim morgigen Aufbruch ebenfalls Niedrigwasser ist. Volles Kajak, Solotour und weite Wege machen keinen Spass. Ich ueberleg noch ein bisserl, schau nach der Bootsrampe 100m entfernt und entscheide dann weiter in den Sound zu paddeln auf der Suche nach einen besseren Platz, noch hatte ich etwas Zeit bis zum Sonnenuntergang.



Die erste kleine Bucht, die angesteuert wird hat einen steinigen, sehr steilen Strand und ich seh auch absolut nichts wo Platz fuer ein Zelt waere also weiter. Der naechste Strand ist nicht ganz so steil und besteht aus sehr grossen Kieseln. Vom Wasser aus sieht es so aus als ob er eine natuerliche Terrasse bildet. Mit gut Schwung und halbwegs guten Timing wird angelegt, nach dem x-ten Versuch liegt das Boot fest und wird vom ruecklaufenden Wellen nicht wieder aufs Wasser gezogen. Aussteigen, Kajak noch  ein wenig hoeher ziehen und Gelaendeerkundung. Die Strasse ist extrem nah, der Boden eher was fuer ein komplett freistehendes Zelt und die beiden geparkten Campervans sind auf einer eingezaeunten Wiese. Ein Bach ergiesst sich ins Meer. Der Strand ist kieseliges Geroell und eine Gefahr fuer Knoechel. Schoen ist der Platz nicht, doch solangsam wird die Zeit knapp, nicht mehr lang bis das Tageslicht schwinden wird und die Karte zeigt auch keine schoenen Plaetze auf. Nicht auf dieser Seite des Loch Ailort in dem ich mich mittlerweile befand. Sounds. Aber gegenueber war etwas Weisses was nach Sandstrand aussah.

Ich war muede hatte ich doch diverse Meilen zurueckgelegt, neben der koerperlichen Anstrengung war auch die psysische Herausforderung gegeben und bei Definition stand mir nun ein "open crossing" bevor und keiner konnte garantieren das es ein guter Lagerplatz waere, aber schlimmer als aktuell kann es nicht sein, auch wenn Sandstraende bei Flut durchaus verschwinden und oberhalt ein Steilufer ist. Doch das Risiko ging ich ein, nochmal etwa 20 Minuten paddeln. Waehrend der Querung konnte ich mehr Sandstraende erkennen, sollte das momentane Ziel sich als ungeeignet herausstellen, waeren zur Not noch ein paar Alternativen zum testen. Es war nicht die kluegste Entscheidung noch weiter zu paddeln, aber andererseits nur so kaeme ein besserer Lagerplatz am Ende heraus. Zwei kleine Inseln wurden passiert und ein paar Seehunde schauten neugierig dem Kajak zu. Eine der Inseln hatte einen Strand in der Mitte, aber der war steil, nur knapp ueber der Hochwassermarke und der Kamm war ungeschuetzt dem Wind ausgeliefert. Vom Wasser aus liess sich auch nicht erkennen wieviel Platz waere, also weiter zum anvisierten Sandstrand.

Es ist kurz vor Ebbe als ich auf dem Sand auflaufe, andere Kajaks waren am Nachmittag hier, die Schleifspuren sind gut zu erkennen auf dem nassen Sand. Ich lauf Sand hoch zum Gras wo ein kleiner Bach sich den Hang runterschlaengelt. Na toll, wer hat den "Vorgarten" des "Zeltplatzes als Toilette verwendet? Leute, wenn Geschaeft am Strand dann unterhalb der Hochwasserlinie oder geht weiter hoch und buddelt da nen Loch. Alles andere ist ekelig und der kleine Bach hat nicht genug Volumen um als Spuelung zu sorgen. Ich muss vorsichtig sein wo ich hintrete bei der Bachquerung und kletter den kleinen Huegel hoch. Die kleine Terrasse solle grade genug Platz fuer mein Zelt bieten. Es wird zu dunkel um nach was anderen zu suchen. Das Boot wird IKEA-Tuetenweise ausgepackt, die Tueten den Strand hochgeschleppt und dann auf die Terrasse. Zum Glueck bieten meine Canyoning Schuhe gut Halt auf dem Gras, koennte sonst sehr schmerzhaft werden. Schmerzen hab ich eh schon, mein Kopf tut tierisch weh. Zu wenig getrunken? Sehr wahrscheinlich, aber wegen dem Trockenanzug verkneif ich mir zuviel zu trinken, weil jedesmal Schwimmweste aus und sich das Oberteil des Trockenanzugs ueber den Kopf zwaengen ist nicht lustig. Andererseits hatte ich Trinkblase und Schlauch dabei, ich haette also nur nach dem Mundstueck greifen und nuckeln muessen.

Das Zelt steht, wenn auch ohne Sturmabspannung und trotz Muedigkeit noch eine letzte Anstrengung, das Kajak kann nicht am Strand bleiben ueber Nacht. Der erste Hebeversuch scheitert, Kajak ist zu schwer. Ich muss es komplett leeren, sprich alle Wasserflaschen und Reservegaskanister raus. Der zweite Versuch gelingt, aber leicht ist es nicht, zumal der Wind wieder zugenommen ist und ich ein Segel ueber runde Steine balanciere und dabei versuche zu vermeiden in den Bach zu treten. Vorsicht beim Absetzen, reicht das letztes Jahr auf Canna der Gelcoat ein wenig leiden musste. Cockpitcover drauf, nicht das ich morgen diverse Getier im Fussraum finde, Boot auf's Deck rollen und ich bin fertig. Richtig fertig. Ich brauch jetzt nen Kakao um mich aufzumuntern, aber wo ist der? Ich kann die Dose nicht finden in all meinen Tueten. Wenigsten die Tuetensuppen sind da und werden beim spaeten Abendessen verschlungen.



Der Wind veralbert mich mal wieder, es ist komplett windstill geworen, aber durch die steigende Flut erreicht die Duenung die Felsen am Ufer und sorgt so fuer laute Brandung, die mich partout nicht in den Schlaf wiegen will. Zu den Kopfschmerzen gesellen sich noch Beschwerden in Knie und Huefte sobald ich mich auf die Seite lege. Ganz toll, der Kopf haemmert, ich bin fertig und die normalerweise bequemste Schlafposition laesst das Verlangen nach Ibuprofen aufkommen. Man sollte meinen nach 35km Paddeln an einem Tag ist man so muede das man einfach einschlaeft, leider nicht.