Ostern, Sonne und Meer

Mein zweites schottisches Ostern. Acht Jahre nach dem ersten und so ganz anderes Wetter. Von Anfang an war auf dem Plan mit dem Kajak ne Tour zu machen, nur wo und wieviele Tage.

Da Kajakfahren dann doch sehr windabhaengig ist (wenn man es als Erholung betreibt und nicht als Challenge), hiess es den Wetterbericht beobachten. Kurz vor dem langen Wochenende zeigte sich, das die Westkueste sehr viel verprechend ausschau. Eine Recherche auf der Geocaching Seite ergab, das sich auf den Summer Isles zwei Caches verstecken, die (laut Internet) noch keiner gefunden hat, aber schon fast 2 Jahre existieren. Ganz klar, es geht zu den Summer Isles, da war ich eh noch nicht.

Donnerstag nach der Arbeit ging es direkt los, Dobhran war schon am Vorabend aus dem Container geholt und auf das Autodach gelagen wurden, die restliche Ausruestung war im Auto verstaut. Ich hatte einen Campingplatz noerdlich von Ullapool angemailt, aber keine Antwort erhalten. Also rief ich an. Der Campingplatz wuerde offen haben, ich solle mich bei meiner Ankunft im Pub gegenueber melden.
Bei herrlichen Wetter ging es gen Westen, doch an der Abzweigung nach Skye bog ich ab anstatt der Strasse nach Ullapool zu folgen.
Nein, nicht weil es mich nach Skye zog (ok, das auch), sondern weil ich laut Navi genuegend Zeit hatte und es die Chance gab als Erster einen Geocache zu loggen, da faehrt man schonmal einen "kleinen" Umweg. Jupp, Erster. Bei der Gelegenheit auch mal aus den Bueroklamotten (natuerlich erst nachdem man den Cache gesucht hatte und mit Lederstiefelchen durch leicht nachgebene, feuchte Erde ist) und in Freizeitklamotten.

Wieder zurueck mit Kurs Ullapool kam mir unterwegs Donald McPherson von Explore Highlands entgegen, nicht nur am beschrifteten Van, sondern auch am Kajak zu erkennen, eine markante schottische Lackierung. Donald war der Coach, mit dem ich die ersten zaghaften Versuche von Rockhopping wagte und der mir bei Armadale zeigte wie man in Wellen paddelt. Vorallem aber gab er das OK an den Kajakclub, das meine Faehigkeiten fuer Tagesausfluege mit dem Club ausreichen, da ich keinerlei Zertifikat besitze.

Es ist ein Weilchen her, das ich zuletzt auf jenen Strassen unterwegs war. Fast 5 Jahre. Damals nur die Hauptstrasse lang, hiess es jetzt in die Botnik abbiegen. Fast 15Meilen Single Track Road. Und was fuer eine. Da lernt man Langsamfahren. Blind kleine Huegel rauf und rum um die Ecke. Zum Glueck kam nichts entgegen. Jetzt weiss ich endlich wo der beruehmte Stac Pollaidh ist. An dem musste ich vorbei und dem winzigen Parkplatz fuer dieses Ausflugsziel. Bis zu meinem Ziel war es aber noch hin. Die Strasse lud dann aber zum schneller fahren ein, es ging teilweise fast schnurgerade aus. Den letzten Huegel hoch und erstmal anhalten.

Was fuer eine Aussicht.

Die Summer Isle, mein Paddelrevier fuer morgen. Den Huegel runter und den Zeltplatz suchen. Gefunden und beim Pub melden. Ok, ich bin da, es wird spaeter jemand auf dem Zeltplatz vorbeikommen, um das Geld einzusammeln, in der Zwischenzeit soll ich mir einfach ein Plaetzchen suchen um das Zelt aufzubauen. So parkte ich neben einem anderen Auto mit Kajaks auf dem Dach und baute meine Dackelgarage auf.
Ich denk ich habe nen wirklich nettes Plaetzchen gefunden.

Zum allerersten Mal sah ich die Sonne in Schottland im Meer versinken, kein Huegel versperrte die Aussicht.


Wie immer kann ich nicht lang im Zelt schlafen und bin frueh auf, aber immer hin war es keine unruhige Nacht und ich konnte fast durchschlafen, hab ich bis dato im Zelt noch nicht geschafft.
Die Sonne war schon aufgegangen, aber die Wolken hingen ein wenig tief, die Berge waren hoeher, so war es noch ein wenig duester als ich die SingleTrackRoad Richtung Achiltibutie und weiter zum Friedhof, der nah am Strand ist und einen unbefestigten kleinen Parkplatz hat. Perfekt um zum Paddeln zu starten.


Es dauerte ein ganz Weilchen bis ich alles zusammengepackt hatte, in den Trockenanzug geschluepft war, das Boot am Strand lag und beladen war. Ich hatte alle im Auto, aber nichts war vorher sortiert. Um halb 8Uhr legte ich dann aber ab, beobachtet von einem Seehund und nahm Kurs auf Horse Island war genau gegenueber lag, eine Meile entfernt.

Laut Internet war da ein Geocache, den seit seinem Verstecken im Sommer vor 2 Jahren noch keiner geloggt hatte. Eine Verlockung fuer jeden Geocacher der erste Finder zu sein.

Es war ein einfacher Paddel, einfach stur gerade aus, das Ziel vor Augen. Wetterverhaeltnisse gradezu ideal. Quasi kein Wind, die aufgehende Sonne im Ruecken, keine Wellen, keine Stroemung. Perfekt um die Muskeln aufzuwaermen.

Ebbentiefstand war vorrueber, der Korallenstrand (es ist nicht wirklich Koralle was den Strand weiss macht, sondern Algenskelette) ueberflutet und somit musste man genauer hinschauen wo man das Kajak anlandet, weil man will ja nicht die rauhen Steine treffen und Kratzer ins Boot machen.

Aussteigen ohne ins Wasser zu plumpsen (werden die Beine laenger beim Paddeln oder das Cockpit kleiner? Trockenes aussteigen komplizierter als einsteigen, obwohl stabiler), Boot etwas aufs Ufer ziehen, damit es sicher vor der Flut ist (auch wenn es nur fuer kurz ist) und den Geocache suchen.

Was fuer eine Enttaeuschung als ich feststellen musste, das schon wer ins Logbuch geschrieben hatte. Letzten Sommer. Ok, Buch signieren, Dose verstecken, Boot wieder ins Wasser schieben, einsteigen (wackliger als aussteigen, aber einfacher) und zurueck zum Auto. Jedoch nicht auf den direkten Weg. Am gegenueberliegenden Ufer befand sich noch ein weiterer Cache, sehr nah am Strand und mit Kajak leichter zu erreichen als an der Strasse einen Parkplatz suchen und hinlaufen.


Der auffrischende Wind begann mir Sorgen zu machen. Auf den Weg zum Auto war er kein Problem, keine Welle spuelte ueber das Deck und das Paddeln war auch nicht anstrengender, aber das war ja nur mein Warmup, ich hatte Groesseres vor. Einen kleinen Ortswechsel zur Badentarbat Bay und dann Erkunden der Summer Isles.

Die erste Paddelrunde brachte 5 Kilometer auf den Zaehler und  benoetigte inklusive der beiden Landgaenge etwas ueber 90 Minuten.

Als ich, noch in Trockenanzug, weil keine 2km mit dem Auto zu fahren, am naechsten Startpunkt ankam, war klar, das der Start fuer die grosse Runde verschoben wird. Weisse Wellenkaemme und der gut Gegenwind. Nein, da paddel ich nicht los. Ich bin allein, ich kenn die Gegend nicht, der letzte Wetterbericht ist etwa 24Stunden her und passt nicht zu dem was ich sehe. Alternativprogramm war angesagt.

Raus aus dem Trockenanzug und zum Parkplatz von Stac Pollaidh gefahren. Es war noch nicht 10Uhr morgens, aber es war schon knifflig dort zu parken, zumal ich wegen Kajak auf dem Dach mit leichter Ueberlaenge zu kaempfen hatte. Der Dachtraeger ist so montiert, das ich mindestens ein Meter vom Kajak ueberhaengt, wenn nicht mehr. Haengt ein wenig davon ab ob ich das Kajak mit Bug nach vorne oder hinten habe, weil das Cockpit nicht genau mittig ist. Wenigstens gibt die Warnweste, die am ueberhaengenden Ende befestigt ist anderen Verkehrsteilnehmern und mir, ein gut sichtbares Zeichen wieviel Platz noch ist.

Stac Pollaidh also. Nicht auf das Plateau, nur den Rundwanderweg. Sollte ein leichtes Programm sein.


Ein gut befestigter Pfad, eng, bisserl Wasser drauf, bisserl Matsch neben den Steinen, aber alles in allem exzellent ausgebaut fuer einen schottischen Weg. Doch leider geht das erste Stueck, leicht treppenfoermig gut bergan. Nennen wir es mal steil. Zwischen Ferse und Wade wurden die Sehen gut beansprucht und verlangten schnell nach Pausen. War herrliches Wetter und die Aussicht ist toll, da kann man Fotostopps vortaeuschen. Die Atmung und Puls gingen zwar auch hoch, aber ausser Puste ging es nicht. Bald gesellte sich zu dem Ziehen in den Sehnen ein Schmerz im rechten Knie und ich war nichtmal den halben Weg hoch.

OK, Schluss! Umkehren. Es war mein erster Urlaubstag, ich wollte morgen noch paddeln, ich hatte nichtmal ein Viertel des Weges geschafft und schon zickte das Knie. Wo soll das nur enden. Das Vernuenftigste war da numal umzukehren. Auf den Weg nach unten, auch noch ein wenig ausrutschten und den rechten Knoechel umknicken machte die Sache nicht besser.

Was nun? Erstmal zurueck zum Zeltplatz. Im Internet Wetterbericht checken. Free WiFi ist toll, wenn man ausserhalb von jedem Handyempfang ist. Wetterbericht fuer morgen war super. Aber bis dahin war es noch weit hin. Es war grade mal mittags. Wieder zurueck zum Strand und schauen was das Meer so macht. Immer noch Wellen. Zwei andere Kajaker waren am packen ihrer Kajaks fuer eine Mehrtagestour in den Summer Isles. Die gepackten Kajaks noch auf der Wiese brachen sie mit dem Auto aus, um von einem hoeher gelegenen Punkt zu schauen wie die Wellen- und Windsituation weiter draussen ist.

Fuer mich definitiv immer noch zu windig und ich war zwischenzeitlich auch noch einen zweiten Ablegeort checken, der lag zwar windgeschuetzt, aber zwischen dem und der naechsten Insel, war ueber eine Meile Distanz ohne Windschutz.

Wenn Paddeln nicht ist, dann eben Geocachen, weil es sich im Zelt gemuetlich machen war auch keine Option. Auf den Aussichtshuegel vom Vorabend war ein Cache. Diesmal lief ich hin, war ja nur eine Meile. Aussicht war immer noch toll, der Cache schnell gefunden und der naechste nur 3Kilometer Luftlinie entfernt. Bei der tollen Bucht, die ich vom Auto aus gesehen hatte und wo an der Strasse ein Strand ausgeschildert war.

Also ging es auf Schusters Rappen die Strasse entlang. Die Sonne schien, es wehte eine leichte Brise (die Wellen sahen nach viel mehr Wind aus), es war warm. Ein herrlicher Tag zum Wandern und selbst abgelegene Strandparkplaetze sind ueberlaufen.

Am Cache selber war ich dann aber allein, er war etwas vom Weg weg und oberhalb vom Strand. Der naechste Cache nur 400Meter weg auf der anderen Seite der Bucht. Nichts wie hin. Die nassen Fuesse in der Beschreibung beziehen sich doch bestimmt nur auf Flut, oder? Nein, da war ein kleiner Fluss der ins Meer floss. Toll, die Gummistiefel im Auto und das Auto war am Zeltplatz. Es wird doch irgendwo eine Furt geben. Also den Fluss entlang, weg vom Strand. Ein langer Marsch, eine lange Bucht an deren Ende der Fluss einen Bogen machte und mir den Weg zum anderen Parkplatz versperrte und auch zur Strasse. Das hiess den ganzen Weg wieder zurueck.

Ach, du lieber Himmel. Ich habe ja nichts gegen laengere Wanderungen, aber ich bin los ohne jeglichen Proviant und hatte jetzt Durst und ausserdem waren es 3 Meilen bis zum Zeltplatz. Auf Asphalt! Es kam wie es kommen musste, der Ruecken begann weh zu tun und die Knie. Da stiefelt man nicht Stac Pollaidh hoch um sich zu schonen, macht aber ne 10Kilometer Wanderung auf der Strasse plus 3 Kilometer auf Strand und Wiese. Die spinnen, die Geocacher.

Dafuer goennte ich mir am Abend, nach einer Dusche (die Anlage auf dem Zeltplatz ist toll. Powershower, man kann die Temperatur zwar nicht regeln, aber die voreingestellte Temperatur ist auf angenehme Weise sehr warm), hoch zum Pub gelaufen (schon wieder hoch und schon wieder auf Asphalt) und Steak Pie bestellt. Zum ersten Mal bekam ich die in Blaetterteig serviert. Der Blaetterteig gehoert zu der Pie, aber diesmal war das Fleisch und Sosse komplett damit ummantelt und eben keine Terrine damit gedeckelt.

Als Nachtisch gabs die letzte Ibuprofen400 aus dem ErsteHilfeTaeschchen, die war noetig, weil die Asphaltwanderung ging doch zu arg auf die Knochen. Hoffentlich hilft die, weil morgen soll es doch in die Summer Isles gehen.


Vielleicht war es das Ibuprofen, vielleicht der gute Schlaf. Als ich um 6Uhr aus dem Schlafsack und Zelt krabbelte (ohne Wecker) zwickte und zwackte nichts. Als ich fertig fuer den Aufbruch war, war grad mal ein weiterer Paddler aus dem Nylonpalast geschluepft. Sie gehoerte zu dem Paar, was gestern zu den Summer Isles fuer einen Mehrtagestrip wollte, aber dann doch wegen dem Wind davon absah und stattdessen Quartier auf dem Campingplatz bezog.

Da meine Sachen von gestern noch gepackt waren, das Auffuellen der Wasserflasche nicht viel Zeit in Anspruch nahm, die Fahrt zum Strand nicht lang war, legte ich bei idealen Verhaeltnissen um 7Uhr vom Strand ab.

Wieder lugte ein Seehundkopf aus dem Wasser und es begleitete mich diverses an Vogelgezwitscher, wenn man die Rufe von  Austernfischern und anderer Seevoegel als Gezwitscher bezeichnen kann.

Erstes Ziel war wieder ein Geocache. Luftlinie gut 4.5Kilometer entfernt, dazwischen lag aber noch eine Insel. So ging es erst am Festlandufer lang bevor der Kurs leicht Richtung Inselufer korrigiert wurde, um dann die Umrundung der Insel (Tanera Mor) gegen den Uhrzeigersinn zu starten. Vor mir auf den Deck war die Landkarte befestigt, ebenso der Kompass. Trotzdem schaffte ich es die Orientierung zu verlieren, zu viele kleine Inseln in der Gegend. Ich wusste, das ich irgendwann eine Insel auf rechter Hand passiere und hinter dieser nach rechts abbiegen muss. Doch wo war ich? Rechter Hand waren einige Inseln, aber nirgendwas war die Boje eingezeichnet oder ein Ankerplatz. Aber da war eine Positionsbarke und ein kleines Transportschiff war in Ufernaehe vor Anker, in der Naehe von etwas was wie eine Baustelle fuer einen Pier aussah.

Wo war ich? Kartenstudium half nicht, das GPS musste her. Es war angeschaltet, aber sicher in dem kleinen Fach im Vorderdeck verstaut, was gut zugedeckelt war (wasserdicht) und die Karte war ebenfalls drueber gespannt. War etwas Fummelei daran zu kommen, zumal das GPS keine Schwimmhilfe hatte und auf keinen Fall ins Wasser fallen durfte. Ich selber wollte aber auch nicht kentern.

Blick aufs GPS und festgestellt, das ich an der Stelle war, wo ich abbiegen musste. Ich war einen halben Kilometer weiter als angenommen. GPS wieder im Fach verstaut und zugesehen den Deckel wieder richtig zu verschliessen. Meine Arme waren grade lang genug hinzukommen. Zum Glueck war das Wasser immer noch ruhig und kein Wind, sonst waere das knifflig geworden. Rum ums Eck, feststellen, das die Flut soweit gestiegen war, das der Korallenstrand mehr als 2 Meter tief unter meinem Kiel war und der restliche Strand Felsen bedeckt von Seetand war.

Das Kajak einparken war einfach, doch ich muss ja auch an Land. Mit dem Paddel testen wie tief das Wasser unter dem Seetang ist. Links zu tief um da auszusteigen, rechts grade so, das ich mit dem Fuss auf den Boden kommen kann, wenn das Boot sich nicht 10cm nach hinten bewegt, weil da war es auch zu tief.

Beim Aussteigen baumeln die Fuesse erstmal links und rechts ueber die Bordwand und man reitet sozusagen auf dem Boot. Zu der Wassertiefe muss also noch die Bootshoehe mitzugerechnet werden. Waehrend links und rechts Platz zu den Felsen war, war am Bug ein Felsen gegen den das Boot sachte vom einlaufenden Wasser geschoben wurde. Der Felsen sollte noch fuer Kratzer in der Bordwand sorgen. Es war der einzige raue Felsen und als ich das Boot naeher zum Ufer zog, schabte ich an diesen Felsen lang.
Ging leider nicht anders, der Untergrund war zu klitschig um das Kajak auf die Schulter zu heben. Ausserdem zu schwer. Leer wiegt das Fiberglasskajak etwas ueber 27kg. Aber ich hatte noch Wechselsachen dabei, 2.5l Wasser, Proviant und ein ganz wenig Wasser im Boot vom Einsteigen. Also ueber 30Kilogramm an Gewicht auf knapp 5,5Meter (541cm um genau zu sein) Laenge verteilt. Ohne vernuenftige Griffe hantiert es sich damit nicht so einfach. Auf Land und ebenen hab ich kein Problem, das Boot zu tragen, aufzuheben und abzulegen, jedoch wenn ich auf Seetang und rutschigen Steinen stehe.

Der Cache war schnell gefunden, zu schnell. Der war nicht annaehernd getarnt. So kam es wohl, das offensichtliche Nicht-Geocacher sich im Logbuch verewigt haben. Was soll's es hat mir immerhin ein Abenteuer beschert und es fing grade erst an.

Aus dem Buch "Scottish Sea Kayaking - Fifty Great Sea Kayak Voyages" wusste ich, an der Suedseite von Tanera Beg ein Felsenbogen zu finden ist, den man bei Flut durchpaddeln kann. Auch wenn die Gezeitenstroemung zwischen den Summer Isles fast nicht vorhanden ist, so gab es doch einen kleinen Impuls an das Boot als ich um eine Ecke bog und dabei knapp an einem ueberschwemmten Felsen vorbeiglitt. So ruhig die Oberflaeche war, so spielte sich im Wasser doch einiges an Dynamik ab. Das merkte ich als mich einer Klippenlandschaft naeherte und mich im Rockhopping uebte.

Nein, man hupeft dabei nicht von einem Fels zum anderen, Rockhopping im Kayak heisst, das man zwischen Felsen manoevriert, aber ohne diese zu beruehren (nach Moeglichkeit). Mein Kayak ist laenger als mein Auto und ich habe keine Spiegel, da kann es schonmal interessant werden auf sehr engen Raum zu manoevrieren. Die Schwimmweste schraenkt die Beweglichkeit doch ein wenig ein, sei es im Rumpf oder im Nacken. Und wenn man sich zu sehr dreht nimmt man das Boot in der horizontalen Achse mit, weil das Knie gehoben wird und dadurch das Boot gekippt wird.

Wie auch immer, ich hatte trotzdem Spass und fand es faszinierend zu erfahren wie das Boot sich verhielt als es mal ueber Felsen ging oder an diesen vorbei. Doch wo war jetzt dieser Felsbogen, der nicht auf der Karte eingezeichnet war. Erst als ich um das Felsengebilde rumfuhr, stellte ich fest, das der eine Kanal den ich beobachtet hatte, aber nicht rein bin, die Rueckseite des Bogens bildete.

So duempelte ich als vor und unter dem Bogen rum, doch durch wagte ich mich nicht. Noch nicht. Mir war der Kanal hinter dem Bogen nicht geheuer, weil es hiess, das ich um die Kurve muss in eine doch eher enge Einfahrt. Im ruhigen Wasser kein Problem, aber das Wasser hier war nicht ruhig. Unterwasserfelsen sorgten fuer unstetige Fliessgeschwindigkeit des Wasser, fuer Verwirbelungen und es kam auch Wasser ueber die Felsen, die zu meiner linken Seite waren, gespuelt.

Zurueck zum Kanal und die Sache von da betrachten. Auch da war es nicht ganz ruhig, in einer sanften Welle kam mir das Wasser entgegen. Aber es schaute passierbar aus. Ich beobachte noch ein paar Zyklen um zu sehen, wie hoch und wie niedrig der Wasserstand jeweils war und wann der Wasserspiegel am ebensten war.

Ein tiefer Atemzug und los gings, mit etwas Schwung in den Kanal um nur mit einem Korrekturschlag in einem kleinen Pool vor dem Bogen zu stoppen. Nochmal warten bis ich das das Timing heraus hatte, wann mit keiner Welle von rechts zu rechnen war. Und los ging es durch den Bogen. JUHUUUUUUUUUU. (ich war allein, da kann man ruhig laut jubilieren). So einfach wie die Sache aussah, war es fuer mich dann naemlich doch nicht, es war ziemlich aufregend. Jetzt brauchte ich erstmal eine Pause, Zeit fuer Fruehstueck.

Wieder umkehren und zu dem Wasser zurueck wo es keine Stroemung gab, keine sanften Wogen, nur Korallensand unter dem Boot, blau glitzerndes Wasser und ein grosser Spiegel, wo der Bodengrund dunkel war. Vorbei an Black Guillemots (Grillteisten) und Eider Enten auf der Suche nach einem netten Platz zum Anlanden, erst entlang von Eilean Fada Mor, doch dann quer rueber zu Tanera Beg wo sich ein einladener Felsenstrand zeigte

Zum Fruehstueck gabs einfache Cracker (die irgendwer doppelt verpackt hatte) und Minisalami. ALDI ist toll. Ich genoss die Ruhe, lauschte der Stille (die gar nicht so still war), sah zu wie mein Boot sanft schaukelte, weil das Heck im Wasser hing und von der sacht hereinstroemenden Flut leicht angehoben und wieder gesenkt wurde. Lang hielt es mich nicht auf den gemuetlichen Stein auf dem ich mich fuer die erste Mahlzeit des Tages positioniert hatte. Ich war zu unruhig und deswegen nahm ich wieder Kurs auf den Felsenbogen. Mittlerweile war es nicht mehr lang bis zum Gezeitenhoehepunkt. In der Stunde seit ich den Bogen zum ersten Mal hinter mich gelassen hatte, hat sich einiges getan. 

Es war eine ganz leichter Wellengang, niedrige und lange Wellen nur. Aber die Dynamik des Wasser zwischen den Felsen hatte deutlich zugenommen. Als ich jetzt den Kanal beobachtet wurde mir ganz anders. Zwischen den hoechsten und niedrigsten Punkt der Wellen, die sich jetzt durch den Kanal schoben war es jetzt ein guter Meter. Es sah auch enger aus als vorher.
Dann erstmal rum zum Bogen, aber da war es jetzt viel bewegter. Ich paddelte noch weiter um den Felsen und sah dann auch, wo das Wasser herkam, was einen seitlich traf sobald man unter dem Bogen durch war.

Das Meer sah eigentlich ruhig aus, trotzdem brach sich die ein oder andere Welle mit Kraft am Fels. Eine Weile duempelte ich hier, paddelte dann zum anderen Ende, duempelte da nochmal. Versuchte die Bewegung des Wassers zu filmen. Doch auf den Filmen kommt, die Dynamik einfach nicht rueber.

Wieder in die Mitte zu dem Bogen. Einige Minuten schaute ich mir an, wie das Wasser durch den Bogen und den Kanal floss. Schliesslich fasste ich mir ein Herz als ich dachte, ich haette das Timing verstanden, wann die Wellen die kleinste Amplitude haben. Das Timing war das wichtigste fuer das Unterfangen. Diesmal wuerde es keine Pause auf den halben (kurzen) Weg geben, in einem Zug durch. Tief durchgeatmet, eine Welle abgewartet und los. Die Verwirbelungen hinter dem Bogen gut gemeistert und rein in den Kanal. Doch was war das, ploetzlich kam mir eine Welle entgegen und das Boot ging in das lange Wellental. In dem Moment spuerte ich auch den Sog der Welle, der das Boot in die falsche Richtung bewegen wollte. Dabei hatte ich geglaubt, das eine Welle von hinten kommen und mich leicht schieben muesste.

Jetzt musste das Paddel aktiv zum Einsatz kommen. 208 Zentimeter ist das gute Stueck lang, wie viel Platz hatte ich eigentlich zwischen den Felsen. Das sah nach weniger aus. Wenn man das Paddel vorwaertsbewegt, ist die benoetigte Breite zum Glueck auch schmaler und so kam ich ohne Felsenbekanntschaft durch. Genug Aufregung. Ich war zweimal durch den Bogen, mir reichte das. Zeit fuer den entspannten Teil der Rundfahrt.

Wieder zurueck zwischen die Inseln und die an Eilean Flada Mor entlang Richtung Norden. Kajak fahren und dabei an sich sonnenden Seehunden vorbeigleiten klappte wieder nicht. Die Tiere werden einfach zu nervoes wenn sie ein Kajak erblicken, auch wenn man 50 Meter Abstand haelt. Von den drei Seehunden auf den Felsen, hoben alle 3 die Koepfe. Das Tier am naechsten zum Wasser rutschte auch rein, die anderen Beiden ueberlegten sich ausreichend lang, ob sie auch hinterher sollen. Mir blieb Zeit ein paar wenige Bilder zu machen und mich zu entfernen bevor das Sonnenbad beendet wurde.



In aller Seelenruhe ging es weiter die Kueste entlang, keine weiteren Sichtungen von Seehunden oder anderen Meeressaeugern. In einer grossen Acht um die beiden kleinen Inseln noerdoestlich von Eilean Flada Mor rum. Die Verbindung der Acht klappte weil keine Ebbe war, sonst waere es nur eine Insel gewesen verbunden durch einen Korallenbruchdamm.
Ich hatte wieder Gelegenheit ein wenig Rockhopping zu betreiben und das Boot in leichter Querstroemung zu manoevrieren.

So langsam bekam ich Hunger und hatte auch noch ein anderes Beduerfnis. Zudem moechte ich die Brille tauschen, die Sonne schien und glitzerte auf dem Wasser, ich hatte keine Schirmmuetze auf und mit leicht zusammengekniffenen Augen war das Gucken anstrengend. Die Sonnenbrille musste her. Tanera Mor wurde angesteuert und zur weiteren Umrundung angesetzt. Ich war an dem Punkt wo ich gut 3 Stunden vorher nach Tanera Beg abgebogen war.

Die erste kleine Bucht, die sich fand erwies sich leider als ungeeignet zum Anlanden. Das Ufer viel zu steil ab, ich hatte keine Chance mit meinen Fuessen auf den Boden zu kommen bei einem kontrollierten Ausstieg. Es fand sich aber ein Felseneinschnitt wo ich das Boot einparken und dann halbwegs geschuetzt die Brille tauschen konnte. Waere sie mir da ins Wasser gefallen, haette ich sie rausfischen koennen.

Laut Karte gab es an der Suedkueste von Tanera Mor eine groessere Bucht mit Strand. Felsig, aber keine Klippe. Auf den Weg dahin konnte ich die Klippen gut beobachten, zumal sie Schatten boten, wenn man dicht genug dran war. In den Felsen nisteten einige Moewen und auch Shags (Kraehenscharben). Die maennlichen Scharben waren gut an der kleinen Krone zu erkennen.

Noch um eine letzte Ecke rum und Mol Mor lag vor mir. Ein felsiger Strand, nicht ganz, aber keine relevante Brandung auszumachen. Passt. Nur noch ein paar Schlaege vom Ufer weg, den Spritzschutz loesen (falls man kentert, ist man so wenigstens schneller draussen, wo es so flach ist, kann man eh nicht rollen) und sich von einer Welle auf den "Strand" tragen lassen, aber bitte ohne auf einen der runden Felsen zu landen.

Das Boot bekam am Boot Grundberuehrung und dann auch mittig, dann lief das Wasser zurueck und zog das Boot mit. Falsche Richtung. Naechste Welle, wieder Grundberuehrung und wieder zurueck. Ich versuchte mich an den Steinen festzuhalten, aber die waren einfach zu rund und glitschig. Keine Chance, die Fuesse zu befreien und dann sicher aufzustehen. Ich liess mich also ins tiefere Wasser ziehen, machte den Spritzschutz wieder fest und paddelte aus der Bucht raus, um die Ecke in die naechste kleine, enge Bucht. Etwas Rockhopping und noch einige Meter vom Ufer entfernt feststellen, das dieses auch zu steil ist. Die Bucht war so eng, ich wagte nicht, das Boot zu wenden sondern paddelte rueckwaerts raus. Frustriert. Ich musste mittlerweile dringend mal wohin.

Third Time lucky. Hinter der naechsten Ecke (gut, vielleicht auch die uebernaechste) war wieder eine Bucht, wieder mit felsigen Strand aber gluecklicherweise flacher. Einmal dezent aufgesetzt und das Boot blieb dort. Ich konnte mich gefahrlos aus dem Cockpit hieven. Auch wenn das Wasser wieder zurueckging, weil die Ebbe einsetzte ein wenig wurde das Kajak hochgezogen, falls doch mal ne groessere Welle ankommen sollte.

Sind in Schottland Seehunde als Baywatch angestellt? Wieder linste ein Kopf aus dem Wasser und beobachtete das Treiben am Strand.

Zum Mittag gabs wieder Cracker und Minisalami. Die Pause wurde diesmal etwas laenger und nicht nur 10min. Das Bein und die Huefte brauchten etwas dynamische Bewegung und Streckung. Doch irgendwann ging es wieder rauf aufs Wasser. Gemuetlich vor sich hinpaddelnd, die Kueste und die diversen Felsformationen anschauen: Risse, die vielleicht mal bepaddelbar werden, kleine Aushoehlungen die in Jahrtausenden richtige Hoehlen werden, verschiedenste Gesteinsschichten und wieder eine kleine Bucht, viel besser geeignet zum Anlegen, wenn ich es bis dahin geschafft haette und etwas braunes, felliges was nahe von Seetang duempelt und umherschwimmt. Ein Otter. Zu ueberrascht und fasziniert um die Kamera sofort in der Hand zu haben, zu schlechter Zoom um ein gescheites Foto hinzubekommen. Aber es war ein Otter, das ist sicher.

Bis nach Anchorage war es nicht mehr weit, nur noch um Rubha Dubh rum und die Bucht mit der Siedlung lag vor mir. Friedlich war es, nur die Voegel hoerte man, etwas plaetschern der Wellen und in der Ferne einen Generator fuer eine der beiden Fischfarmen. Mit Kurs auf den Pier der in der Karte eingezeichnet war, erblickte ich zum ersten Mal heute andere Kajakfahrer. Der Pier war der alte Pier und er umrande eine kleine Landungsbucht. Die beiden Kajaks am Strand waren mir bekannt, sie gehoerten zu dem Paar, das die Summer Isles auf einen Mehrtagestrip erkunden wollten, aber genau wie ich, gestern nachmittag dann doch davon absahen von Achitilbuie zu starten.

Sie sind vom Campingplatz aus gestartet und hatten auf ihrer Tour andere Kajaker getroffen. Da ich am Vortag auf Horse Island war, konnte ich ihnen einen Anlandeplatz nennen bevor sie zur weiteren Runde aufbrachen. Sie waren bei ihrer Mittagspause als ich mich Schwimmweste und Spraydeck entledigte, mir das GPS schnappte und den kleinen Inselweg losstiefelte. Korrekt, da war ein Geocache auf der Insel. Leider war die Beschreibung fuer den Weg zum Cache vom Faehranleger aus beschrieben. Die alte Pier war nicht der Faehranleger. Erst naeherte ich mich dem Cache an, doch dann entfernte ich mich wieder. Ich verliess den Pfad, der eine tolle Aussicht ueber die Bucht bot und stapfte querfeldein. Ueber die Torfwiese. So merkwuerdig ein Wanderer in Trockenanzug und Neoprenstiefel aussehen mag, in solchen Gelaende ist es praktisch, um nasse Fuesse musste ich mir keine Sorgen machen.

Ich fand zu einem Pfad zurueck um ihn dann kurz fuer die Cachesuche wieder zu verlassen und um die Aussicht zu geniessen. Wow, da war ich heute?

Fuer den Weg zurueck fragte ich zwei Einheimische, die am Pfad arbeiteten oder vielleicht nur Torf stechen vorbereiteten. Dank ihres Hinweise konnte ich einen kleinen Rundweg laufen und entdeckte auf diese Weise einen sehr alten Friedhof. Erst auf den zweiten Blick fiel mir auf, was da neben dem Weg war, der an einer Ruine endete und durch deren hinteres Tor ich wieder zum Wasser gelangte. Ich kam an der kleinen Steinmauer raus, auf der ich meine Sachen abgelegt hatte.

Das Wasser war weiter zurueckgegangen, mein Boot lag auf dem Trockenen und ich musste es zum Wasser tragen, um die letzten zwei Meilen in Angriff nehmen zu koennen. Die Bucht Anchorage wurde nicht abgekuerzt sondern fast ausgefahren, den beiden Kajakfahrern, die am anderen Ende der Bucht grade ihre Pause machten, naeherte ich mich aber nicht weiter an. Vorbei an dem kleinen Faehranleger und dann schnurgerade Kurs auf das Auto, was als kleiner weisser Punkt auszumachen war.

Das waren nochmal zwei lange Meilen, die schwersten des Tages. Zum ersten Mal kam ein ganz klein wenig Wind auf. Eigentlich nichts, aber genug um den Skeg auszufahren um leichter den Kurs halten zu koennen. War auch noetig, mit dem Auto in Sicht und das Ende des Paddeltages nicht weit entfernt wurden die Arme dann doch schwer. Ausserdem taten mir die Finger weg, die Handruecken mit Salz bedeckt, die Finger fuehlten sich an als ob sie von Schwielen und Blasen bedeckt waeren (Blasen konnte ich keine entdecken, Schwielen ein bisserl), am aergsten hatte es aber die Nagelhaeute mitgenommen. Teilweise uebel eingerissen. Salzwasser und Sonne sind eine unschoene Kombination fuer die Haut.

So war ich froh als ich nach nichtmal 40 Minuten auf Sand auflaufen liess hatte ich 23 Kilometer zurueckgelegt, war 8.5Stunden unterwegs, mehr als 6.5Stunden davon auf dem Wasser. Doch die schwerste Etappe lag noch vor mir. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Boot musste den Strand hochgetragen werden. Morgens war der Weg deutlich kuerzer, weil der die Flut hoeher war. Wenigstens hatte ich am Beginn einen festen Stand und konnte eine bequeme und sichere Trageposition finden. Was beim Balancieren nicht passierte, geschah als das Boot schon auf dem Dachtraeger lag. Ich hatte die Gurte noch nicht rum, weil ich noch den Rumpf saeubern wollte, deswegen war das Kajak auch auf Kante. Nicht sehr stabil, aber ich dachte es reicht. Ich hantierte im Kofferraum als ich aus dem Augenwinkel sah, wie das Kajak sich gefaehrlich neigte und flitzte dann ganz schnell los. Nicht schnell genug, ich konnte das Boot nicht mehr komplett auffangen, es landete unsanft auf dem Rasen. Autsch. Wieder aufgehoben und Sichtung. Keine Risse, nichts. Puh, Glueck gehabt. Fiberglass ist zum Glueck hart im Nehmen und flexibel.

Der Paddeltag war zu Ende, aber ich hatte vom Vortag noch eine Rechnung offen, der Cache am Strand wo es Gummistiefel braucht, um ihn auf kurzen Wege zu erreichen. Es ist toll in den Felsen oberhalb eines Strandes zu sitzen, das dortige Treiben zu beobachten (auch wenn da weniger los war als gestern) und einen Schatz in den Haenden zu halten. Im Cache war ein Hoerbuch (mehrere CDs) und die DVD von "Brave" / "Merida". Meine Belohnung fuer den heutigen Tag und den Anstrengungen des Vortages.

Morgen wird sich ausgeruht. Ich werde nach Skye fahren, Bella Jane Boat Trips einen Besuch abstatten und entweder mit dem RIB nach Canna duesen (die ersten Puffins sind eingetroffen) oder rueber zu Loch Coruisk und am See picknicken bevor ich zurueck nach Inverness fahre.


 

Kurz nach 4Uhr morgens aufgewacht, die Runde ins Bad gedreht, die etwas laenger ausfiel, weil das Bad war ja im Gebaeude was zentral auf dem Campingplatz war und mein Zelt stand unten nah am Strand. Noch vor halb 6 war alles abgebaut und im Auto verstaut und es ging in den Sonnenaufgang. Das war fast mein Untergang. SingleTrackRoads in den Highlands zur Daemmerung, das ist die Zeit fuer die Hirsche. Die treten aus den hohen Gingsterbueschen einfach so vor das Auto und schauen einen mit grossen Augen an. Ohne einen Vierbeiner zu touchieren gelangte ich zur Hauptstrasse nach Ullapool und konnte befreit aufs Gas treten, wobei Hirsche standen links und rechts immer noch, aber meist war nen Zaun dazwischen und wenn nicht, dann zumindest auch kein Busch.
Kurz hinter Ullapool war die Temperatur auf Null Grad gesunken, die Talsperre war von Nebel bedeckt, Nebelfetzen hingen im Licht der aufgehenden Sonne ueber der Strasse. Sah toll aus. Bis Achnasheen. Achnasheen sah nicht toll aus, weil man nichts sah. Sichtweite auf unter 100m gesunken (wohl einiges weniger, aber ohne Leitpfosten kann ich das nicht schaetzen). Erst bei Achnashellach war wieder freie Sicht und freie Fahrt. Die Abkuerzung ueber Plockton schenk ich mir naechstes Mal, weil es ist nicht kuerzer, nicht schneller und irgendwie macht die Strecke doch nicht soviel Spass.

Aber es machte Spass Loch Slapin wieder zusehen und Blaven. Wow, was fuer ein Anblick. Ein Spiegel und wolkenloser Himmel.


Weiter nach Elgol, wo die Crew der AquaXplorer ihre RIBs vorbereiteten. Fuer ein Boot hiess das, das erst der eine, dann der andere Motor abgenommen und gecheckt wurde. Es war noch hin bis zur ersten Tour und erst Recht bis zur ersten Fahrt der Bella Jane.
Da stand ich nun bei strahlenden Sonnenschein und kein Wind, ein Auto mit einem Seeakajak auf dem Dach und das Erholungsprogramm wuerde in fruehstens anderhalb Stunden starten. Zeit um Hallo-zu-Sagen, dem ein oder anderen Schwaetzchen, ein Marsch den Berg hoch zur oeffentlichen Toilette und weiteres Ueberlegen was tun als Naechstes. Beendet wurde das ganze als Alex meinte "Great weather for going out with the kayak". Damit war das Thema "Heute wird nicht gewandert und nicht gepaddelt" erledigt, zumal jemand auch noch eine Hand bot das Kajak zum Strand zu tragen.

So kam es, das ich 2 Wochen nach dem One-Way-Trip zu Loch Coruisk, wieder Dobhran im Sand neben dem Anleger zu liegen hatte, mein Zeug zusammensuchte (diesmal auch vollstaendig) und von Elgol aus Richtung The Cuillin startete. Doch diesmal war der Himmel strahlendblau und Wolkenlos. Es herrschte kein Wind und keine Duenung; mehrere Leute wussten das ich unterwegs war und mit welchem Ziel. Ich versprach auch das ich die Seehunde versuche nicht zu stoeren, damit die Passagiere der Ausflugsboote putzige Fotos machen koennen.

War ein sehr angenehmes Paddeln und Dahingleiten, der Kurs einfach zu halten. Keine Duenung, die einen zur Seite schob, aber auch nicht voranschob. Trotzdem war ich nicht langsam unterwegs als ich auf die Uhr schaute und die Orientierungspunkte betrachtete. Nach einer guten Stunde war auf der anderen Seite von Loch Scavaigh und paddelte die Felsen entlang. Ganz entspannt, kein Geschaukel, keine Brandung, die einen gegen die Felsen zu druecken drohte. Nur ein paar nervoese Seevoegel, die auf einer kleinen Felseninsel doesten und denen das Kajak nicht so geheuer war.


Der Fototermin an den Bad Steps konnte in aller Ruhe erfolgen. Die Stufe und die Hoehle sehen ziemlich niedrig aus, der Fels dagegen erweckt nicht den Anschein, das man ihn ohne allzu grosse Muehe meistern kann.


Auf den weiteren Weg zur Anlegestelle, immer schoen am Felsen lang, fischte ich ein grosses Stueck Folie aus dem Wasser. Kunststoffabfall ist ungesund fuer die Tiere, die im Meer leben. Auch wenn es nur ein Teil war, was nicht mehr im Wasser schwamm, es war besser als es dort zu lassen.
Vor der Muendung von River Scavaigh kamen mir zwei Paddler entgegen. Das Paar hatte auf Soay gecampt und ist dann erstmal Richtung Coruisk, um dann weiter nach Camasunary zu paddeln.
River Scavaigh fuehrte nur sehr wenig Wasser, genauso wenig oder viel wie zwei Wochen zuvor. Um die letzte Ecke rum, sah ich das neue Boot in Elgol an der Treppe, The Islander.

An diesem Boot vorbei hoerte ich wie sich 600PS rasant naeherten, um dann ausser Sicht abzubremsen um langsam hinter den Seehundfelsen zu erscheinen. Na das ist ja mal praktisch. Da die Treppe eh blockiert war und ich zwischen beiden Booten, mit Ballast auf meinem Vordeck, kann man die "Patricia Ann" ja mal heranwinken.

Gavin war der Skipper und hatte Richard als Tourguide dabei. Mit den Beiden und dem Boot hatte ich meine (vorletzte) motorisierte Tour gehabt. Spass machte Gavin jetzt auch und wollte seinen Passagieren etwas Action bieten und bot mir eine Dusche an. Mit Salzwasser. Einfach die Motoren etwas aus dem Wasser heben und dann leicht Gas geben. Das Boot geht nicht vorwaerts, es spritzt nur jede Menge Wasser hoch. Nein, danke verzichte. Aber ich fragte, ob er so nett waere und mir den Muell abnehmen kann. So kam es, das sich 600PS auf 10m verteilt, ganz sachte, meinen 5,41m Fiberglasboot naeherten.

 Nach der Uebergabe paddelte ich zu der Stelle wo man perfekt ein Kajak einparken und auf Land ziehen kann, um es dann auf Gras abzulegen. Flut war grade vorrueber, da brauchte man das Boot nicht ganz aufs Trockene ziehen. Schwimmweste und Spritzschutz ablegen, Kamera, Wasserflasche und Futterbeutel schnappen und ab Richtung Loch Coruisk. Noch hatte ich Zeit bis die Bella Jane mit ihrer Ladung Passagiere ankommt, The Islander hatte nur ein kleines Grueppchen an Bord.

In der Sonne war es sehr warm in der Drysuit, mit Schwimmweste an und den geschlossenen Cockpit ist nicht viel mit atmunsaktiv. So waehlte ich eine erfrischende Route neben den Stepping Stones um den Fluss zu queren. Das Wasser war herrlich kuehl. Einmal auf den Felsen rauf und zum Ministrand, ein paar Cracker und dann zur weiteren Abkuehlung in den See. Aber nicht ganz. Der Kragen ist nicht 100% wasserdicht, feuchtes Neopren ist nicht angenehm. Also nicht schwimmen war angesagt, sondern waten. Eine Umrundung des Uferfelsen bei den Stepping Stones kam nicht in Frage als ich feststellte, das das klare Wasser deutlich tiefer als brusttief ist. Also Felsen hochgeklettert, von da ein Foto gemacht und wieder runter zum Fluss, um ihn zu queren, damit ich zum Kajak zurueckgelange. Unterwegs noch ein wenig Muell eingesammelt. Eine Plastikflasche und Verpackung von 2 Muesli-/Schokoriegel.

Fertigmachen zum Ablegen und los. Diesmal nicht den kurzen Weg, sondern so das ich die Seehunde sehen kann, dabei aber den groesstmoeglichsten Abstand zwischen den kleinen Inseln und dem Ufer wahren, damit die Seehunde schoen liegen bleiben. War nicht mehr lang bis die Bella Jane ankommen muesste und man will es sich ja nicht mit der Crew verscherzen.

Nochmal etwas Muell aus dem Meer gefischt, jetzt waren es Reste von einem Fischernetz, die neben der Plastikflasche unter die Deckleinen geklemmt wurden, dann wurde direkter Kurs auf Elgol gesetzt.
Es war einfach herrlich, die Sonne schien, das Wasser glitzerte, teilweise wirkte es leicht oelig so ruhig war es, aber auch leicht getruebt von Algen, freie Sicht bis Eigg und Muck. Sonnencreme hatte ich immer noch nicht aufgetragen, aber ich trug den Hut mit Midgenetz (das Netz allerdings auf den Hut und nicht runtergezogen). Das sollte weiteren Sonnenbrand im Gesicht eingrenzen.

Ich rechnete jeden Augenblick damit eine Finne zu erblicken, sei es die von einem Delphin, Schweinswal oder gar Minkwal oder Riesenhai. Aber nein, das war mir leider nicht vergoennt. Das waere vermutlich auch zuviel des Guten gewesen. Die Islander zog in einiger Entfernung und sorgte fuer den ersten Wellengang. Ein Blick auf die Uhr, ein Blick nach vorn. Wenn ich Gas geben wuerde, waere ich in Elgol um mit der Bella Jane zur zweiten Tour aufzubrechen, nochmal die Seehunde aus der Naehe zu sehen waere toll. Ich liess es aber ruhig angehen und die Bella Jane zog vorbei als ich noch etwa eine halbe Stunde Paddelei vor mir hatte. Kurz bevor ich die Pier erreichte kam auch noch ein RIB vorbei, allerdings ohne Passagiere, und sorgte fuer ein paar mehr Wellen.

Nach nichtmal 3,5Stunden war der Ausflug beendet. Es war grademal Mittag durch, zu frueh und das Wetter zu schoen um schon nach Inverness zurueckzukehren.
Auch wenn die Bella Jane noch am Pier lag fuer die naechste Tour, hetzen wollte ich nicht. Ich liess mir jede Menge Zeit. Nur was mach ich eigentlich mit dem Kajak? Das Auto war sozusagen zugeparkt. Ich hatte keine Chance das Kajak aufzuladen und den Parkplatz wollte ich auch nicht aufgeben. Boot also auf den Strand hochziehen, ausraeumen und was geht ins Auto packen. Umziehen in aller Ruhe. Die Bella Jane war immer noch am Pier, seltsam. Abfahrtszeit ist doch eigentlich rum.
Ins Buero um zu fragen ob fuer mich noch ein Platz ist, aber erstmal abwarten und die anderen vorlassen. So bekam ich auch mit, warum die Bella Jane immer noch da war und auch warum leichte Konfusion bei den Passagieren fuer die RIBs herrschte.

Auf der A87 hatte es einen Unfall gegeben, in der Naehe der Wasserfaelle von Luib. Die Strasse zwischen Portree und Broadford war gesperrt, die Umleitung (immerhin gab es eine) war die als Touristenroute ausgeschilderte 9 Kilometer lange SingleTrackRoad die Kueste lang. Dadurch kamen etliche gebuchte Passagiere zu spaet in Elgol an und die Passagierlisten mussten geschoben werden. Das funktioniert fuer die RIBs leidlich, doch nicht fuer die Bella Jane. Mit reichlich Verspaetung legte diese ab, die RIBs hinterdrein.

Es kehrte Ruhe im Buero ein und ich konnte endlich fragen ob ich auch Boot fahren kann. Ja ich darf. Zeit fuer Mittagessen. Keine Belohnung ala Kuchen vom Tearoom, weil es ist Sonntag, da hat der zu. Stattdessen Cracker, Minisalami und Ei. Von denen hatte ich noch einige. Genug um sie zu verteilen. Da waren zwei asiatische Frauen, die auch auf das Boot warteten und Hunger hatten, aber nichts dabei. Die beiden hatten auch im Stau gestanden und wussten etwas mehr ueber den Unfall, der leider einem Motorradfahrer das Leben gekostet hat :( Zum Glueck war kein anderes Fahrzeug in dem Umfall verwickelt.

Die Bella Jane naeherte sich und als ich fragte, wieviel die Fahrt kostet, wurde mir mitgeteilt, das ich nicht zu zahlen brauch. Ooh ... Danke. Mein eigenes Boot wurde am Strand zurueckgelassen als ich zum zweiten Mal an diesem Tage Richtung The Cuillin aufbrach.

Das Boot war gut besucht, es war schon ein wenig eng, auch wenn noch ein paar Passagiere Platz gehabt haetten. Da Crewman Richard keine Erklaerungen hielt, weil er damit beschaeftigt war die Getraenkebestellungen aufzunehmen und sich deswegen einmal um die Bank kaempfen musste, leistete ich Skipper Robert Gesellschaft und half dann Richard die Getraenke zuzubereiten, vorallem als er dann doch zu Erklaerungen fuer die Bad Steps ansetze, da ein paar Passagiere zurueck nach Elgol laufen wollten.

Da ich nur die Seehunde sehen und nicht nochmal zum See laufe wollte, half ich dann mit der Getraenkeausgabe aus. So konnte die Crew ihre Passagiere zusammenzaehlen und die Listen pruefen. Weil die Zahlen stimmten nicht. Einerseits fehlten 2 Parteien, dafuer waren einige Wanderer auf dem Boot, die eigentlich auf den naechsten Boot sein sollten. Da waren Babys an Bord, die man bei der Zaehlung uebersah, weil unter Decke getarnt. Und schliesslich die fehlende Partei nachdem erstmal der Hund gefangen werden musste, der sich auf die Felsen verirrt hatte als er eigentlich auf die Treppe steigen sollte. Alles gecheckt und es konnte wieder zurueckgehen, nochmal Seehunde guggen und dann in aller Ruhe gen Elgol schippern.

Dort angekommen legte grade eine Gruppe von Kajakern ab. Auto ausparken und halb auf die Pier fahren (damit man keinen der anderen Autos in Weg ist), Boot aufladen und ab nach Hause. Auf dem Weg noch einen kleinen Stopp bei den Rogie Falls. Zur richtigen Jahreszeit kann man da Lachse springen sehen. Heute sprangen da aber allenfalls Jugendliche ins Wasser.


Morgen ist aber definitiv Pause. Boot kommt in den Container, der Trockenanzug, Schwimmweste und Spritzschutz muessen gut mit Frischwasser gespuelt werden um das Salz runterzuwaschen und ich brauch Erholung. Kamen ja zu den gestrigen 14Meilen nochmal 9Meilen hinzu, die so garnicht geplant waren. Aber missen moechte ich sie auch nicht.

Es stellte sich spaeter heraus, das die Kajaker, die Elgol grade verliessen ne richtige Mammuttour hinter sich hatten. Wegen dem schoenen Wetter kamen sie von Rum rueber nach Elgol gepaddelt (Leider war das Eis ausverkauft), dann Wildcamp in Loch Slapin um am Montag von da nach Arisaig, wo sie am Samstag gestartet waren. Was alles in allem ueber 90Kilometer sind.

Ostermontag wurde dann auf faul gemacht, nachdem sich um die Ausruestung gekuemmert wurde. Da in UK die Trennung von Staat und Kirche wirklich funktioniert, konnte man auch an Ostermontag den leeren Kuehlschrank problemlos fuellen.


Die gesamte Bildersammlung gibts hier, insofern es die Bilder betrifft, die in Trockenanzug gemacht wurden. Die Landgaenge sind vorallem im Assynt-Ordner zu finden.