Puffin - Run, der erste Teil

Das neue Zelt ist irre bequem, jede Menge Platz, auch wenn fast alles Gepaeck im Zelt bzw. im Vorzelt waren. Wegen den Bestaunen des indirekten Sonnenuntergangs war ich erst spaet im Schlafsack, aber nach 3 Monaten Fruehschicht und weil ausserdem die laengsten Tage des Jahres, war ich auch schon sehr frueh wieder wach und auf. Kurz vor 6Uhr machte ich mich auf Richtung Pier und konnte die herrliche Stille geniessen, die Spiegelungen im Wasser, die ganze Atmosphaere. Das Wetter schaute vielversprechend aus (wobei, das auf einer schottischen Insel nicht viel zu sagen hat, das kann sich innerhalb einer Stunde aendern).

 

Auf den Rueckweg war es nicht mehr ganz zu ruhig, ein Quad naeherte sich von Sanday und war meilenweit zu hoeren. Auf der Insel war ein kleiner Viehtrieb in Gange. Eine Rinderherde lief die Hauptstrasse lang, um auf die Weide neben dem Zeltplatz zu kommen.


Die Highlandcattles auf der benachbarten Weide begruessten aufgeregt die "Neuankoemmlingen" und es wurde sich ueber Zaun und Weg "unterhalten". Auch wenn Kuehe, insbesondere Highlandcattles, ein beliebtes Fotomotiv fuer Touristen sind, mir stand nach anderen tierischen Motiven, doch ich musste zu diesen hin paddeln, die wuerden sich nicht zu mir begeben.

Doch erstmal Fruehstueck, man braucht ja eine Grundlage fuer den Tag. Couscous mit Bruehwuerfel und Mais. Sehr saettigend und zuviel, da blieb noch einiges fuers Abendbrot ueber. Dann runter zum Strand, Boot aus der Nachtposition zur Wasserlinie wuchten (warum war das eigentlich so schwer, obwohl kein Gepaeck mehr an Bord?), hoch zum Zelt, umziehen und alles fuer einen Tagesausflug packen. Es sollte der erste Teil meiner Version des sogenannten Puffin-Runs / der Small Isles Tour werden. Normalerweise startet die Tour von Elgol aus und fuehrt dann via Rum (Kilmory Bay) nach Sanday, Pause in Canna Harbour und dann zu den Klippen an der Nordseite von Rum zum Seevoegel, insbesondere Papageientaucher (Puffins), bzw. andersrum. Und das alles mit einem RIB. 30-40Meilen in 3.5 bis 4 Stunden. Mein Vorhaben war aehnlich, nur ohne den Elgol-Part, Rum nur vielleicht und vorallem in einem nicht motorisierten Seekajak.

Ich hatte gut gebummelt und war erst kurz vor 9Uhr auf den Wasser (lustigerweise, die Startzeit fuer den morgendlichen Puffinrun), was bedeutete das der Wasserhoechststand schon wieder vorrueber war, aber es war noch hochgenug um ueber zwischen den "Gefaegnisfelsen" und der kleinen vorgelagerten Insel durchzufahren.

Schon hinter dem ueberfluteten Causeway war das Wasser nicht mehr so ruhig. Kein Problem fuers Paddeln, aber zum Fotografieren. Die neue Kamera war nicht wasserdicht. Ich hatte sie in der kleinen Luke vor mir, festgeknotet am Sicherungsband des Lukendeckels. Aber eben in der Luke. Die aufzumachen war eine Sache, sie wieder dicht zu schliessen eine andere. Schon beim ersten Foto vom Boot aus, war es ein wenig Nervenkitzel und da waren die Bedingungen ideal. Das koennte interessant fuer die naechsten Stunde und Tage werden.

Die Kueste entlang ging es, immer ein Auge auf die Felsen knapp unter der Wasseroberflaeche. Zum Glueck hatte ich meine Sonnenbrille auf. Die Glaeser sind polarisiert, so gab es keine irritierenden Lichtreflexe, die das rechtzeitige erkennen der Felsen quasi unmoeglich gemacht haetten. Ich konnte mittlerweile das Wasser lesen. Ich weiss wo Wellen und Schaumkaemme flaches Wasser bzw. Hindernisse unter Wasser anzeigen, aber ein Kajak hat wenig Tiefgang und man kann damit Rockhopping betreiben, was heisst knapp zwischen und ueber Felsen langzufahren. Bei etwas Wellengang erfordert das schon etwas mehr Technik, aber ich habe gute Fortschritte im Manoevrieren gemacht und so efreute ich mich an dieser Uebung. Die Naehe zu Felsen machte mich nicht mehr nervoes, nur vorsichtig.

Ich konnte diese Spielerei geniessen, denn bis zu den Voegeln war es noch ein kleiner Weg. Naechste Station war der Felsbogen. Eigentlich gedachte ich in der Ecke spaeter fuer die Mittagspause anzuhalten, doch als ich mir die Geschichte naeher anschaute, entschied ich mich dagegen, das Ufer war zu steil fuer ein bequemes Anlegen und die leichte Brandung tat ihr uebriges.

So durchfuhr ich den Bogen und duempelte in dem kleinen Bereich bis zum Ufer vor mich hin und beobachtete die Quallen, musste aber aufpassen von sanften Wogen auf den Strand geschoben zu werden. Sehr viel Platz in der Laenge war nicht, aber in der Breite genug um gefahrlos auf der Stelle zu wenden.

So langsam wurde es Zeit, die Spielerei mit den Felsen hinter mich zu lassen und mich den Voegeln zu widmen, wegen denen bin ich ja nach Canna gekommen. Gut, und wegen den Hoehlen, aber die waeren im Herbst und Winter auch noch da.

Doch so schnell war ich mit den Felsen dann doch nicht fertig, das ich den Voegeln dabei sehr nahe kommen wuerde war weder geplant noch gewuenscht, nicht in der Art wie es geschah. Ich bog in einen Felseneinschnitt ab, der am Beginn knapp ueber 2m breit war. Mein Paddel ist 2,10m lang und ich stiess grade so links und rechts nicht an. Am Ende des Felseneinschnitts war eine Hoehle und uber den Eingang nisteten Trottellummen. Bei dem was ich dann erleben durfte passt Trottel ...lumme wirklich gut. Auch wenn die Lummen etwa 5m ueber dem Wasserspiegel waren, so wurden sei reichlich nervoes als ich naeher kam. Die Lummen setzten zum Start an. Start bei Klippenvoegeln bedeutet, sich fallen lassen und dann mit dem Aufwind nach oben gleiten. Aufwind im Schatten? Als ich noch mehrere Bootslaengen weg war, kamen mir die ersten Voegel entgegen. Trottellummen sind keine eleganten Flieger und ihre Landungen eher plump, erst recht wenn sie keine Hoehe nach dem Start bekommen. Ich schwoere, der ein oder andere Vogel stuerzte ab und klatsche reichlich unelegant ins Wasser im Versuch meinen Boot auszuweichen.
Und dann erfolgte ein Massenstart. Dutzende von Trottellummen kamen mir entgegen, ich zog nur noch den Kopf ein, Paddel parallel zum Boot und hoffte das kein Vogel ins Boot einschlaegt oder mir gegen den Kopf fliegt.

Nachdem der Ansturm vorbei war und ich sehen konnte, das es eh nicht tief in die Hoehle reingeht und ich die verbliebenen Voegel nicht auch noch aufscheuchen wollte, drehte ich um (der Einschnitt war grade breit genug um ein 5,50m Boot auf der Stelle zu wenden, ohne anzuschlagen) und liess die Trottellummen in Frieden. Ich war schliesslich wegen der Papageientaucher hier.


Die Klippen ging es weiter lang und ich sah die ersten Papageientaucher etwas entfernt schwimmen udn auch in den Klippen sitzen. Als ich die schwimmenden Papageientaucher beobachtete sah ich noch was aus dem Augenwinkel. Etwas was ich durchaus erwartet hatte um die Zeit dort anzutreffen und wo ich mich schon wunderte, wo es bleibt. Da war es, das RIB von Elgol kommend auf Puffin Run & Small Isle Tour. Seltsamerweise nur eines, dabei war doch so ein schoenes Wetterchen und es war Sonntag.

Da ich dem RIB nicht in die Quere kommen und nicht weitere Voegel aufscheuchen wollte, machte ich Pause und duempelte etwas entfernt vom Motorboot in der Naehe der Felsen rum und wartete bis Alex mit seinen Erklaerungen fertig war und an mir langsam vorbeifuhr. Wobei nochmal nen kleines Plaeuschen gehalten wurde. Alex fuhr das RIB in einen Felseneinschnitt wo am Ende eine Hoehle ist und wo etwas Wasser ueber die Kante tropft,  ein kleiner, wortwoertlicher, Duschvorhang.

Dann winkte er mich am Boot vorbei, ob ich nicht in die Hoehle reinfahren will. Wieso schaut eine Hoehle in dessen Eingang ein RIB locker reinpasst, ploetzlich so schmal aus? Sehr weit konnte ich auch nicht reinfahren. Grade mal ne Bootslaenge (weit genug um Wasser von oben in den Kragen zu bekommen), dann wurde es mir zu unsicher. Es herrschte eine leichte Duenung, aber weil die Hoehle eine kurze war, schlug die sich am Felsen und kam dann zurueck. Das war alles andere als gemuetlich.

Das RIB war weitergezogen waehrend ich noch mit Rueckwaertsausparken und Wenden beschaeftigt war. Ich folgte nur langsam nach. Es gab nicht mehr viel zu sehen. Irgendwie hatte ich die Klippen mit mehr Voegeln in Erinnerung oder kam mir das nur so vor? Es ging zurueck Richtung Canna Harbour, immer schoen am Fels lang und darauf achten nirgendwo auf die Felsen aufzulaufen, die immer naeher unter der Wasseroberflaeche lagen, da es auf Ebbe zuging.

Das RIB war am Pier festgemacht fuer die Pause und die Passagiere wandelten Richtung Cafe Canna. Keine Pause fuer mich, sonst wuerde ich so schnell nicht auf den kurzen Weg nach Sanday kommen. Der hintere Teil der Bucht faellt bei Ebbe trocken und schon jetzt wurde es verdammt knapp unter dem Kiel auf dem direkten Weg. Mit dem Paddel wurde schon ein wenig im Grund gestochert, aber es ging grade so noch. Unter der Bruecke zwischen Sanday und Canna war das Wasser noch tief und es gab eine gute Stroemung. Das Paddel diente nur als Steuer, nicht als Antrieb. Dann nach links wenden und rauf auf den Strand.

 

Beine vertreten nach 2 Stunden im Boot. Ich habe immer noch Probleme mit einschlafenden Fuessen und Beinen. Wenn das Wasser halbwegs ruhig ist, kann ich es etwas in Griff bekommen mit Strecken der Fuesse hinter die Stuetzen. Doch bei etwas mehr Wellengang geht das nicht, weil dann das Boot zu instabil ist. Aber selbst wenn ich die Beine strecken kann, das Aufstehen und die ersten Schritte sind immer etwas wacklig. Die Pause wurde fuers Mittag genutzt, wenn man nen Schokoriegel denn als Mahlzeit bezeichnen kann. Zumindest kann man den bequem im Gehen essen und dabei auch noch die Strandmalerei betrachten, die sich erst auf den zweiten Blick als ein Gesicht herausstellte.

Die Pause war so lang wie es braucht nen Schokoriegel zu geniessen und runterzuschlucken. Boot ins Wasser schieben, kleine Gleichgewichtsuebung beim Einsteigen, weil das Boot nicht den Grund beruehrte und es gab auch keine Paddelstuetze. Diese Art des Einsteigens (und auch aussteigens) klappt immer besser. Bei meinen ersten Versuchen nahm ich noch ein Bad oder musste mit dem Paddel nachhelfen.

So idyllisch es in der kleinen Bucht war, so war es nicht mehr so schoen ruhig sobald ich um die naechste Ecke war. Warum mir wieder Wind ins Gesicht blies, konnte ich mir nicht erklaeren, weil der Wind aus der entgegengesetzten Richtung kam wie auf der Nordseite. Trotz des Wellengangs gab es keine Schaumkaemme auf dem offenen Wasser, dafuer umso mehr nah der Felsen. Felsen gab es jede Menge und sie luden zum Rockhopping ein. Doch die Ebbe war zuweit fortgeschritten und Dobhran ist kein Klippenhuepfer. Aber an der Felsenkante langzumanoevrieren mit Seitenwind und etwas Brandung war dann doch angesagt, als kleine Uebung. Ich haette auch einiges an Sicherheitsabstand halten koennen, aber so kam ich zu etwas Techniktraining.

Wo war jetzt der Puffinfelsen? Linker Hand oeffnete sich eine nette Bucht und die eine Klippenwand sah aus als ob da ein grosser Hoehleneingang waere, aber nichts entsprechendes auf der Karte. Egal, ich wollte endlich die Papageientaucher sehen und nicht nur Rockhopping betreiben. Es wurde abgekuerzt, statt die Kueste entlangzuschleichen ging es auf quer zu dem Punkt, den ich fuer Dun Mor hielt. Das ich etwas verpeilt war und weiter weg war als ich dachte, erkannte ich als "Meilen" entfernt ein oranger Punkt auftauchte. Das RIB hatte seine Pause beendet, hatte den Besuch bei den Seehunden hinter sich gebracht und war nun da, wo ich auch hinwollte. Kurs leicht korrigieren und weiterhin vom Ufer wegbleiben. Also Canna war einfacher und die Voegel leichter / schneller zu erreichen. Die Strecke zog sich. Doch schliesslich war ich angekommen und hatte Hoehlen und Papageientaucher ganz fuer mich.


Erstmal Hoehlenerkundung, ich hatte extrra meine Kopflampe eingepackt.... irgendwo.

Die erste Hoehle war jene wo die RIBs meist ein wenig reinfahren. Ueber den Eingang nisteten Dreizehenmoewen und andere Moewen, sowie einige Kraehenscharben. Ich konnte machen, was das RIB nicht kann, ich kann um die enge Kurve fahren und schauen wie die Hoehle weitergeht. Oder auch nicht. Ganz schon dunkel hier drin und ich trug meine Sonnenbrille. Wo ist eigentlich meine Kopflampe? Sie ist nicht in der kleinen Luke vor mir und an die Luken hinter mir komm ich allein nicht ran, wenn ich auf dem Wasser. Na das hab ich ja wieder toll hinbekommen. Die Erkundung dieser Hoehle musste ich abbrechen, ich konnte grade so sehen und vorallem hoeren, das es links rum weitergeht, doch ich konnte absolut nichts zu meiner rechten Hand erkennen. Es war stockduster. War es der Schatten vom Felsen, weil der Hoehleneingang um die Ecke lag oder war neben mir gleich Fels? Ich wollte es nicht austesten bzw. austasten.
So nah wie moeglich an die linke Felsenwand ran und dann vorsichtig in den Rueckwaertsgang. Die Hoehle bleibt dann wohl auf der ToDo-Liste.

 Naechste Hoehle, diesmal direkt rein, keine Kurve, es ging prima ohne Taschenlampe. Nur die Kraehenscharben waren nicht von meiner Anwesenheit begeistert. Jetzt wusste ich auch wieso das Wasser blaulichweiss war. Das war Vogelkot. Ihh, hier moechte man nicht reinfallen.

Und noch eine Hoehle wartete. Breiter Eingang, eher flach. Interessante Felsfarbe, mal wieder. Ein Rosarot. Etwas Duenung liess mich auf und ab wippen, aber es war ruhig genug um sich mit der Kamera abzumuehen um ein vernuenftiges Foto hinzubekommen. Der Blitz wollte nicht wie ich. Ich bekam ihn einfach nicht an. Dann eben nicht. Zeit sich den Papageientauchern zu widmen. Raus aus der Hoehle fiel auf, wie warm es eigentlich war. Oder war es in der Hoehle so kalt?


Papageientaucher oder Puffin. War schliesslich meine Version des Puffin-Run. Anfangs trieb ich nah am Felsen rum und betrachtete die Puffins aus der Ferne. Ich wollte nicht naeher paddeln, weil sie wuerden dann nur wegfliegen. Doch dann kamen sie naeher und naeher. Nein, ich kam naeher und naeher. Die Stroemung trieb mich mitten in den Schwarm und richtig nah dran.

Haett mich wer beobachtet, der haette nen grinsendes Honigkuchenpferd gesehen. Im Kajak dahintreiben und Dutzende, ja hunderte von putzigen Voegeln um einen rum. So nah war ich ihnen noch nie gekommen. Ich wollte ja eigentlich auch nach Lunga, wo man zwischen den Puffins rumlaufen kann. Aber das hier war besser. Denn es lief kein anderer Mensch rum und ich sass in meinem Kajak rum ohne die Voegel zu stoeren.

Ab und an starteten einzelne Voegel und kleine Gruppen, aber es setzte keine Massenflucht ein. Einfach toll und putzig anzuschauen. I really enjoyed it!

Wenn ich mir die Zeitstempel der Fotos anschaue (im Nachhinein), dann war ich nur ein paar Minuten mitten unter den Voegeln. Kam mir laenger vor, auf positive Weise.

Fuer den Rueckweg hatte ich eigentlich nur eine Option. Stundenlang hier rumzuhocken war keine Option, ebenso wenig den Weg zurueck, den ich gekommen war. Die Bucht zwischen Canna und Sanday war jetzt auf jedenfall unpassierbar wegen Ebbe. Blieb nur noch Canna Sound, vorbei am Leuchtturm. So ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht, weil dort soll die See schonmal sehr unruhig sein und die Stroemung kann da zu Springflut 4-5Knoten betragen. Eher 5Knoten wenn das Wasser nach Norden fliesst. Vollmond war keine 2 Tage her und damit immer noch Springflut angesagt. Das Wasser fliesst nach Norden, wenn die Flut kommt. Wann war Ebbe vorueber?

Also langsam Richtung Leuchtturm tasten, schoen an der Kueste lang und jeden Felseneinschnitt auskundschaften. Ich entdecke noch ein paar winzigkleine Buchten und Felsen, die man umrunden konnten. Bevor es um die Ecke in den Sound ging noch eine Hoehle. Die Duenung war mittlerweile etwas hoeher, obwohl es kaum Wind gab. Bei der Einfahrt in die Hoehle bzw. den Felseneinschnitt davor erstmal das Wasser beobachten und den Rythmus der Wellen aufgreifen. Es gab Phasen, da gabs kaum Duenung und dann wieder Wellen wo es gut hoch ging. Kajak positioniert und los. STOPP. NEIN, DOCH NICHT. HALT. RUECKWAERTSGANG. Wasser was in eine Hoehle reinspuelt muss ja wieder raus und ich hatte nicht beruecksichtig, das das mit Verzoegerung geschieht. In dem Moment wo ich mich aufmachte in die Hoehle reinzufahren, kam ne groessere Welle aus der Hoehle raus und von hinten kam eine weitere angeschoben. Links und rechts vom Paddel kaum Platz aber schroffe Felsen und der Einschnitt verlief nicht gerade. PUH, das war knapp, das haette boese ins Auge gehen koennen. Im besten Fall Schrammen im Lack und GFK, aber da war der Zwischenfall beim Clubausflug wo ein Kajak von der Duenung gegen Felsen gedrueckt wurde, im denkbar unguenstigsten Winkel fuer die Bootsnase. Der Paddler ist nicht gekentert, das Boot zog unmittelbar auch kein Wasser, aber es war anschliessend nicht mehr seetuechtig und bedurfte eines Fachmanns fuer die Reparatur, mit etwas Schleifen und Gelcoat war da nichts zu machen.

Richtung Leuchtturm (es ist nur ein ganz kleiner, mehr ein Leuchtfeuer) schlich ich mich an den kleinen Klippen lang, das Wasser ruhig und keine Stroemung und ploetzlich ein sanftes Schnauben und ein grauer Ruecken mit kleiner Finne. Nur ganz kurz. Und nochmal. Schweinswale! Weniger als 10m entfernt. Schuechterne Wesen und aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels immer auf der Jagd und am Fressen, dabei aber keine flinken Jaeger wie Delphine. Schweinswale haben keine Zeit zum Spielen. Sie zu sehen ist trotzdem toll, eben weil sie so unauffaellig sind und meist allein oder in Kleinstgruppen von bis zu 3 Tieren unterwegs sind.

Ich hatte wohl Glueck mit den Gezeiten, ich kam problemlos am Leuchtturm an. Was ich nicht erwartete war, das die eigentliche Arbeit auf den letzten 1.5Meilen lauerte. Wo kam nur der Wind her? Gut, er kam seitlich von vorne. War der am Vormittag auch schon so schlimm? Also weiter an der Kueste lang, zumal ich soweit wie moeglich von den Seehunden fern bleiben wollte. Na gut, ich wollte nicht fern von denen bleiben, aber ich wollte auch nicht so nah rankommen, das ich sie von den Felsen scheuche. In der Einfahrt von Canna Harbour gibt es eine kleine, gemischte Kolonie von Seehunden und Kegelrobben. Bei Fluthoechststand sind deren Felsen zwar ueberflutet, aber bis dahin war noch etwas Zeit.

Auch wenn ich ausreichend Abstand hielt, ein Grossteil der Robben fluechtete ins Wasser. Allerdings nicht in einer panikartigen Flucht der gesamten Gruppe. Vorallem Seehunde haben dann die Angewohnheit sich dem Kajak zu naehern. Nicht sehr hoffensichtlich, sondern eher in einer Art Hasch-Mich. Kaum schaut man direkt zu ihnen tauchen sie schnell ab. Ohne wasserfeste Kamera und weil der Wind mich abtrieb lohnte sich ein Aufenthalt nicht. Weiter den letzten Kilometer zum Strand.

Kaum in Fahrt hoerte ich ein Schnaufen hinter mir. Anhalten, Kopf herumdrehen. PLATSCH. Wieder Tempo aufnehmen, ein schnaufendes Geraeusch hinter mir. PLATSCH. Und nochmal, ein paar Paddelschlaege, Schnaufen, diesmal den Kopf umdrehen ohne das Paddeln zu unterlassen. Ein Seehundkopf unmittelbar hinter meinem Boot. Anhalten und weg war. Ich versuchte ein paar Mal Fotos zu machen, ohne mich umzudrehen, nur Kamera nach hinten halten. Das wurde natuerlich nichts. Dann eben die Rueckwaertstaktik. Boot wenden und rueckwaertsfahren. So konnte ich zumindest die Seehunde sehen, doch die ahnten das irgenwas anders ist. Ich war nicht mehr so schnell und ich schaute sie an. Naeher als 10 Meter kamen sie nicht mehr. Gut, dann nicht. Nase wieder in Fahrtrichtung drehen und endgueltig Richtung Strand unterhalb vom Zelt nehmen.


Immer fast noch Ebbentiefstand, es war eine elend lange Entfernung den Strand hoch bis zum sicheren Ablageplatz fuer das Kajak fuer die Nacht.

Alles raus aus den Luken, zusehen das Kajak irgendwie zu schultern (ist ja nicht so, das ich das zum ersten Mal mache, aber manchmal scheint das Ding 50kg zu wiegen und nicht nur 27kg), den Strand hochlaufen, erst auf festen Sand, dann auf losen und letztendlich Kajak (mehr oder minder) sanft ablegen. Leider waren am oberen Ende vom Strand faust- bis handballgrosse runde Steine, die das Balancieren und saubere Ablegen erschwerten.

Tasche mit den Tageskram geschnappt, hoch zum Zelt, umziehen, das restliche Couscous vom Fruehstueck futtern waehrend man die Aussicht von dem kleinen Huegel geniesst. Sind das Delphine, die ich da sehe oder Schweinswale? Mehr als drei Tiere, nur kurz Rueckenansicht, keine Spruenge. Mmmmh. Kurz darauf kam das RIB auf seiner Nachmittagsrunde in Sicht.

Dann mal runter/rueber zum Pier, man ist ja Mensch. Dort angekommen war nicht nur Alex mit dem RIB am Anlegen bzw. schon damit fertig. Nein, ein schickes Mini-Kreuzfahrtschiff machte grade fest: "Lord of the Glens". "Lord of the Glens", da klingelte was bei dem Namen, aber die Klingel war was mit Caledonian Canal und Loch Ness. Das hier waren die Small Isles. Oh, und eine Durchsage auf Deutsch. Wird ja immer seltsamer.

Das Raetsel mit Delphine oder Schweinswale loeste Alex fuer mich. "There dolphins around just around the corner. Take your kayal." Nein, danke. Bis das Kajak im Wasser ist, sind die schon wieder weg. Fuer heute war ich mit Paddeln fertig. Die Sightseeingtour war ueber 10Meilen lang gewesen, genauer gesagt etwas ueber 17km. Reicht fuer den Anfang, morgen ist auch noch ein Tag.

Statt Paddeln ein kleiner Spaziergang Richtung Duschen, wollte schauen wieviel die kosten und wie es funktioniert. Box mit Muenzeinwurf, aber keine Information wie lang die 2 Pfund vorhalten. Auf den Rueckweg kam mir die Horde der Kreuzfahrer entgegen. Jepp, Deutsche, ausnahmslos. Mit einigen hab ich geplaudert, weil mich doch interessierte was ein Flusskreuzer auf den Small Isles macht. Ok, Kreuzfahrt. Von Inverness, den Caledonian Kanal nach Sueden bis Oban, Visite auf Islay, dann Canna. Am Abend sollte es nach Inverie gehen und am naechsten Tag nach Skye. 
Im Gegensatz zur Hebridean Princess, die in hiesigen Gewaessern unterwegs ist, scheint "Lord of the Glens" jeden Abend an einem offiziellen Liegeplatz oder gar Hafen festzumachen.

Den Rest des Nachmittags bruetete ich im Zelt. Dank Sonnenschein war es darin so heiss als ob man in der prallen Sonne liegen wuerde, nur ohne Sonnenbrand. Ausserhalb des Zeltes war es wegen der Brise, die den ganzen Tag fuer Duenung gesorgt hatte angenehm bis frisch. Abends goennte ich mir dann einen Burger im Cafe. Der stellte sich als leichte Enttaeuschung raus, ich hatte schon viel bessere Burger in Pubs bekommen. Immerhin konnte ich mich danach noch mit der Aushilfslehrerin unterhalten. Nachdem Canna fuer mehr als 2 Jahre keine aktive Schule hatte, sind es gleich vier Kinder die unterrichtet werden muessen. Es sind Geschwister. Der Versuch mit Heimunterricht, kombiniert mit Unterweisung via Internet vom Lehrer auf der Nachbarinsel Rum (da gibts 2 Grundschueler) schlug fehl. Deswegen wurde nach einem Lehrer gesucht der wenigstens bis zu den Sommerferien unterrichten kann. Ab Herbst wird es dann einen anderen Lehrer geben.

Der Wetterbericht wurde auch eingeholt. Es sollte so wie heute werden. Mit Fluthoechststand gegen 9Uhr sollte es auch Klappen mit wenig Stoerung durch Gezeitenstroemung nach Rum zu queren.

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